Theaterpodcast (48) – Teamleitungen und das Theatertreffen
Im Vierer am Ruder
12. Juli 2022. Kurz vor der Sommerpause haben die Berliner Festspiele noch eine Pressemeldung mit Zündstoff versandt: Das Theatertreffen wird künftig von einer Viererleitung verantwortet. Mehr Fragen denn Antworten ergeben sich aus der Pressemitteilung. Im Theaterpodcast #48 äußert sich mit Carolin Hochleichter nun erstmals ein Mitglied der neuen Viererleitung zur Diskussion um das Theatertreffen.
Von Susanne Burkhardt und Elena Philipp
Zusammen arbeitet es sich besser: Szene aus James Joyces „Ulysses“, 2021 mit der Baseler Compagnie inszeniert von John Collins. Auf dem Bild: Andrea Bettini, Carina Braunschmidt, Fabian Krüger, Fabian Dämmich, Nairi Hadodo aus dem Ensemble.
Bleibt die Auswahl der zehn bemerkenswerten Inszenierungen der deutschsprachigen Schauspielbühnen in Österreich, Deutschland und der Schweiz bestehen? Wird es weiterhin eine unabhängige Kritiker:innenjury geben? Was bedeutet es, wenn das Theatertreffen "stärker mit dem mittel- und osteuropäischen Raum vernetzt werden“ soll? Wird das Theatertreffen gar zu einem internationalen kuratierten Festival wie es derer viele gibt? Das sind Fragen, die nach der Vorstellung der neuen Viererleitung auch hier viel diskutiert wurden.
Auch wenn die designierte Co-Leiterin bei vielen Fragen auf den Herbst vertröstet, wenn es offiziell Antworten geben soll, sind nach dem Gespräch einige Details klarer: Wie steht es um den Bestandsschutz für den "Markenkern", die Zehnerauswahl, 2023, im Jahr des 60jährigen TT-Jubiläums? Was passiert mit den Leitungen der Programmlinien Stückemarkt und Internationales Forum? Und wie möchte sich das Team die Aufgaben aufteilen?
Strukturen gestaltend nutzen
Erfahrung mit der Teamleitung hat Inga Schonlau, die am Theater Basel zur Viererdirektion am Schauspiel gehört. Verfrüht findet sie die Kritik am neuen TT-Leitungsteam. Für sie sind Teams – die, anders als Kollektive, an pragmatischen Organisationszielen ausgerichtet sind und nicht vorrangig ein gemeinsames, wie sie sagt: "ideologisches Ziel" verfolgen – die zeitgemäße Form der Leitung. "Es gibt sowieso immer Strukturen, in denen man sich erstmal so gut auskennen muss, dass man sie gestaltend nutzen kann – dafür, finde ich, ist Leitung da, um diese Punkte herauszufinden und zur Verfügung zu stellen. Und zu schauen, dass möglichst die Kunst darin wachsen kann und sprießen kann und grenzgängerisch sein kann", so ihr Credo.
Und in Bezug auf einen SZ-Beitrag, in dem kollektive Leitungsmodelle als "naiv" und "Kitsch" bezeichnet werden, sagt Inga Schonlau über Führung im Team: "Also Kuschelkurs ist das absolut nicht, sondern man versucht eigentlich nur, ziemlich offensiv auf die Themen zuzugehen und sie nicht in irgendeinem unausgesprochen hierarchischen Gewebe zu belassen, wie es immer war."
In Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur.

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