Einfach kompliziert - Claus Peymann backt für Thomas Bernhard eine Geburtstagstorte
Gezuckerter Weltekel
von Georg Petermichl
Wien, 12. Februar 2011. "Wir existieren nur / wenn wir sozusagen / der Mittelpunkt der Welt sind," räsoniert der alte Schauspieler, und fasst damit den Kern der unbequemen und großartigsten Figuren des österreichischen Autors Thomas Bernhard (1931-1989) zusammen. Die meisten davon sind unzufriedene Aufsteigermenschen, die unbedingt existieren wollen und folgerichtig ihre Welt verkleinert haben. Und zwar soweit, dass ihnen der Platz im Mittelpunkt gesichert ist: Rund herum bleiben Verlierertypen, Quasseltanten, und überhebliche Dramatiker hängen, bockstarr schauen sie ins tyrannisch gleißende Ablicht ihres persönlichen Lebensmonsters.
Oblomow - Alvis Hermanis bringt Iwan Alexandrowitsch Gontscharows Romanstoff in die Halle Kalk
Das Sofa als Wille und Vorstellung
von Guido Rademachers
Köln, 11. Februar 2011. Solche Müdigkeit steckt an. Im Schlussbild lässt Regisseur Alvis Hermanis – so viel Regieeinfall muss am Ende schon sein – Oblomows hyperaktiven Gegenpart Stolz sich in dessen Bett verkriechen. Um dann das Licht auf der Bühne aus- und im Zuschauerraum anzudrehen. Der Hinweis auf den Oblomow in uns allen wäre gar nicht nötig gewesen. Denn während der dreieinhalb Stunden Aufführungsdauer war der Kampf gegen das Einnicken unschwer erkennbares Thema im Publikum.
Pension Schöller - Sebastian Hartmann inszeniert die Verwechslungskomödie mit kleinem Gruß Richtung Kulturpolitik
Der Schwank als Kulturkritik
von Tobias Prüwer
Leipzig, 10. Februar 2011. "Unser besonderer Dank gilt der Bäckerei Dünkel für die freundliche Unterstützung" - Der Satz aus dem Programmzettel spricht Bände, fügt man nach diesem Theaterabend hinzu, wem das Centraltheater-Team um Intendant Sebastian Hartmann nicht dankt: Der städtischen Kulturpolitik. Angesichts bereits jetzt drohender Kürzungen im fünfstelligen Bereich für die kommende Spielzeit und die absehbare Lähmung der Leipziger Kulturpolitik aufgrund der Nicht-Abwahl des umstrittenen Kulturbürgermeisters (mehr dazu) ist die Stimmung am Schauspiel Leipzig nicht gerade hoffnungsfroh. Dass der beliebte Schwank "Pension Schöller" deshalb nicht als routiniert-reibungsloses Unterhaltungsmittel inszeniert wird, sondern auch die Leipziger Lage kommentiert, war also erwartbar.
Regie: Annie-B Parson und Paul Lazar
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