medienschau
Unsere auswahl ist subjektiv
Presseschau vom 23. Mai 2013 – Armin Petras spricht im Tagesspiegel über seine Berliner Erfahrungen
Hier wackelt nix mehr
23. Mai 2013. Der Tagesspiegel veröffentlicht heute ein großes Interview mit dem Noch-Intendanten des Maxim Gorki Theaters in Berlin, Armin Petras. Die Fragen stellte Patrik Wildermann.
Presseschau vom 23. Mai 2013 – Die SZ über Theater mit Schauspielern mit Behinderung
Aus Eigeninteresse öffnen
23. Mai 2013. In der Süddeutschen Zeitung (23.5.2013) beschäftigt sich Peter Laudenbach anlässlich der Verleihung des Kerr-Darstellerpreises an Julia Häusermann mit behinderten Darstellern im Theater.
Presseschau vom 20./21 Mai 2013 – Bilanzen des Jubiläums-Theatertreffens
Die unerforschliche Kraft der Spielkunst
20./21. Mai 2013. Matthias Heine veröffentlicht auf Welt Online seine Abschlussbilanz des Theatertreffens (20.5.2013, 13:05 Uhr): Der Kritiker hat eine große, ungestillte Sehnsucht nach "geschichtlichen Konflikten und Figuren" auf der Bühne.
Wenn Napoleon schon einmal auftrete, wie Jana Zöll in Sebastian Hartmanns "Krieg und Frieden", dann nur "verfremdet". Aber schon, schreibt Matthias Heine weiter, weil Hartmann es überhaupt gewagt habe, "Historie im Theater zu vergegenwärtigen", brauche Deutschland "diesen letzten Bühnenirren".
In Elfriede Jelineks Gegenwartsstück "Die Straße. Die Stadt. Der Überfall" habe man entdecken können, dass sowohl Jelinek als auch die Schauspielerin Sandra Hüller "so richtig offensiv komisch sein können". Aber obschon Jelinek hin und wieder in ihren Stücken das Fenster zur Geschichte aufstoße, sei ihr Stück diesmal: Gegenwartstheater.
Dabei gäbe es durchaus unter Regisseuren und Dramaturgen eine verbeitete Sehnsucht nach Geschichte. Davon zeugten die Karrieren, die Hans Falladas Romane zuletzt auf der Bühne gemacht hätten. Angesichts Luk Percevals Inszenierung von "Jeder stirbt für sich allein" fällt Heine ein, dass wohl niemand je gedacht hätte, "man werde auf einem deutschen Theaterfestival noch einmal dankbar sein für die Erinnerung, dass einmal Nazis gegeben hat".
Geschichtslos auch im Formalen seien viele der übrigen Inszenierungen gewesen. Thalheimers "Medea", Jerôme Bels "Disabled Theatre", Katie Mitchells "Reise durch die Nacht" und Herbert Fritschs "famos virtuoses" "Murmel Murmel "hätten genauso gut zum Theatertreffen 2003 oder 2023 eingeladen werden können".
Der "Diktatur des Gegenwärtigen – oder schlimmer noch: des Zeitlosen" hätten sich allein die alten Texte widersetzt. Die "Mischung aus Rassismus und verlogener Geilheit", die Tennessee Williams in "Orpheus steigt herab" beschreibe, "verteidigt ihren Platz klar im amerikanischen Süden der Fünfzigerjahre" gegen alle Aktualisierungen. Medeas Blutrausch sei so "durch und durch faszinierend vorzivilisatorisch", dass sie sich "jeder Vereinnahmung durch feministisches Denken" widersetze. Und Frau John aus den "Ratten" sei schon durch das "wunderbare Kunst-Berlinerisch", das ihr Hauptmann in den Mund gelegt habe, davor geschützt, zur "Putzfrauentragödie" zurechtgestutzt zu werden.
"Das gefräßige Heute verschluckt sich an ihnen allen."
"Im letzten Jahr gab es (…) Positionen nicht zu besichtigen, sondern zu erleben. In diesem Jahr war alles normaler, unaufgeregter, konfektioneller", schreibt Andreas Schäfer im Tagesspiegel (21.5.2013). Die Auswahl sei Sache der Jury, aber es frage sich, warum die Institution selbst sich so zaghaft präsentiert. "Die üppigste Theaterlandschaft der Welt, ein großartiges Festival, das seinesgleichen sucht – und dann macht man sich klein und huscht auf Turnschuhen durch diese Jubiläumsausgabe, als wolle man sie bloß schnell hinter sich bringen." Nichts symbolisiere diese krampfige Lockerheit so sehr wie der würdelose Riesenstempel, der jedem eingeladenen Regisseur nach der Premiere überreicht wird – als Zeichen, dass die Inszenierung als theatertreffentauglich abgestempelt wurde. "Wo sind wir denn? In der Theaterhäschenschule? In der Inszenierungseinwanderungsbehörde?"
"Weil das Theatertreffen als Leistungsschau genommen wird, sind die einzelnen Inszenierungen dem Wettbewerb untereinander ausgesetzt", erklärt Dirk Pilz in der Neuen Zürcher Zeitung (21.5.2013). "So kommt es, dass das Festival von den grossen, reichen Bühnen dominiert wird – eine Inszenierung aus, zum Beispiel, Solothurn oder Stendal hielte dem Vergleich kaum stand, auch wenn sie für die jeweilige Stadt bemerkenswert relevant sein mag." Der staunens- und unbedingt erhaltenswerte Reichtum der deutschsprachigen Theaterlandschaft werde durch das Theatertreffen eben gerade nicht abgebildet. "Das bleibt der Stachel im fetten Fleisch dieses Festivals." Die Vielfalt der beim Theatertreffen präsentierten Theaterformen sei aber besonders in den letzten zehn Jahren enorm gewachsen. "Dass freie Gruppen, Dokumentar- oder Performancetheater eingeladen werden, bedarf keiner eigenen Rechtfertigung mehr." In der Zusammenschau der zehn Inszenierungen ist dem Bilanzierer aufgefallen, "dass die zum Theatertreffen geladenen Bühnen einer Überbietungslogik zu folgen scheinen". "Noch virtuoser! Noch aufwendiger! Noch überrumpelnder!", scheine die Devise zu sein. "Fast alle Abende trugen laut ein 'Seht mich an!' vor sich her." Sie protzten mit filmischen Finessen (wie bei Mitchell), angeberischer Zitatdichte (wie bei Baumgarten) oder aufgesetzt wirkender Theaterselbstbespiegelung (wie bei Henkel). "Dabei scheinen sie jedoch nur zu bestätigen, dass auch zeitgenössische Bühnenmittel keine Gegenwärtigkeit garantieren." Grösse hätten die geladenen Inszenierungen jedenfalls dann erlangt, wenn sie auf die unerforschlichen Kräfte der Spielkunst setzten. "Michael Thalheimers Frankfurter 'Medea' mit Constanze Becker in der Hauptrolle oder Herbert Fritschs dadaistischer Abend 'Murmel, Murmel' von der Berliner Volksbühne bestachen gerade durch ihr Urvertrauen auf das Vermögen des Schau-Spiels". Die Hauptpersonen des diesjährigen Theatertreffen, so das Fazit, seien denn auch die Schauspieler gewesen, nicht die Regisseure.
In der taz (21.5.2013) kommentiert Katrin Bettina Müller zum Abschluss des Theatertreffens die Verleihung des Alfred-Kerr-Preises an Julia Häusermann aus dem "Disabled Theater"-Ensemble: "Für die Theaterwelt ist die Verleihung des Kerr-Preises an Häusermann auch ein Signal: Es tut gut, die eingeübten Routinen zu verlassen und die Geschlossenheit der eigenen Welt von außen zu betrachten. Die Kunst gewinnt bei solcher Reflexion eigentlich fast immer."
Presseschau vom 16. Mail 2013 – Ijoma Mangold zieht auf Zeit Online eine Halbzeitbilanz des 50. Theatertreffens
Bitte, liebes Stadttheater, halte durch!
16. Mai 2013. Ijoma Mangold zieht auf Zeit Online (16.5.2013, 15:15 Uhr) eine Zwischenbilanz zur Halbzeit des 50. Theatertreffens, er glaubt, das Theatertreffen zeige den Interessierten, "was auf der Bühne state of the art ist". Jetzt, da die Institution "Stadttheater" immer mehr unter Druck geraten sei, gewinne das Wort an Glanz – "weil die Sache, für die es steht, bedroht ist". Sie verbinde "Freiheit und Verlässlichkeit, Experiment und Tradition", sie, die Sache, das Stadttheater sei "ein Teil unserer Lebensform und lässt uns einzig dastehen in der Welt".
Presseschau vom 11. Mail 2013 – In der Welt wirft Matthias Heine einen wenig schmeichelhaften Blick auf die Berliner Theaterszene
Wenn ein Theaterkritiker sich mal so richtig ausspricht
11. Mai 2013. In einem Meinungsbeitrag (11.5.2013) diagnostiziert Matthias Heine in der Tageszeitung Die Welt eine Theatermisere in Berlin, aber nicht nur da.
Presseschau vom 8. Mail 2013 – Spiegel Online über allerlei Ungemach zwischen Oliver Kluck und dem Schauspiel Frankfurt
Kluck macht den Bernhard
8. Mai 2013. Auf Spiegel Online (8.5.2013, 10:05 Uhr) schreibt Tobias Becker einen langen Text über Vorkommnisse am Schauspiel Frankfurt. Dort wird heute Abend das neue Schauspiel von Oliver Kluck uraufgeführt: "Was zu sagen wäre warum". Jedoch hat sich der Autor Oliver Kluck über die Strichfassung beschwert, die Regisseurin Alice Buddeberg von seinem neuen Stück "Was zu sagen wäre warum" hergestellt hatte. Kluck sehe sich zum Idioten gemacht, und habe gleich auch noch seinem Theaterverlag gekündigt.
Radioschau vom 5. Mai 2013 – Im Deutschlandradio spricht Thomas Oberender über das Theatertreffen
Ich wünsche mir einen Außerirdischen
5. Mai 2013. In einem Gespräch mit dem Deutschlandradio sagte der Intendant der Berliner Festspiele, Thomas Oberender: "Kunst fängt da an, wo Politik aufhört. Politik muss Lösungen anbieten, kann auch nur das Lösbare lösen, das Theater beschäftigt sich mit dem Unlösbaren." Kunst spreche in einer eigenen Sprache, von Dingen, die wir anders nicht ausdrücken könnten (hier geht es zum Audiofile).
Presseschau vom 29. April 2013 – Anke Dürr schreibt im kulturSpiegel über „Disabled Theater“ und andere Produktionen, in denen behinderte Schauspieler mitspielen
Jenseits der Freakshow
3. Mai 2013. Lange seien behinderte Schauspieler aus dem regulären Theaterbetrieb ausgegrenzt gewesen. Nun zeigen zwei zum Theatertreffen eingeladene Arbeiten, wie man dieses System aus den Angeln hebt, so beginnt Anke Dürr im aktuellen kulturSpiegel ihren dreiseitigen Text über Theater mit geistig und körperlich Behinderten, der eine ganze Reihe von Aspekten liefert.
Presseschau vom 1. Mai 2013 – Imre Török in "Politik & Kultur" zur Lage der Demokratie in Ungarn
Die Schadenssumme
1. Mai 2013. Im Leitartikel für die Zeitung des Deutschen Kulturrats Politik & Kultur (Ausgabe Mai/Juni) äußert sich Imre Török, Bundesvorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller, zur aktuellen Lage der Demokratie in Ungarn.
Presseschau vom 27. April 2013 – Herbert Fritsch erzählt in der Berliner Zeitung über Herbert Fritsch
Das Publikum niederrringen!
30. April 2013. In einem sehr ausführlichen Gespräch mit Ulrich Seidler in der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau (27.4.2013) erzählt Herbert Fritsch von seiner Kindheit, seinem Werdegang, seinen Erlebnissen beim Theatertreffen und seinen Überzeugungen.
Presseschau vom 29. April 2013 – Franzobel wettert im Wiener Standard gegen die Arbeit
Aufstand der Müßigen
29. April 2013. "Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem es nur noch eine Lösung gibt: Nieder mit der Arbeit. Arbeit ist wider die Natur, wider das Vergnügen." Mit diesen Worten eröffnet der Schriftsteller und Dramatiker Franzobel in der heutigen Ausgabe des Standard (29.4.2013) kurz vor dem 1. Mai ein wuchtiges Pamphlet gegen die Diktatur der Arbeit in unserer Gesellschaft.
Presseschau vom 28. April 2013 – Dirk Pilz betrachtet in der Berliner Zeitung 50 Jahre Theatertreffen
Die große Modenschau
Berlin, 28. April 2013. Anlässlich des 50. Geburtstags des Berliner Theatertreffens schreibt Dirk Pilz im Magazin der Berliner Zeitung (27./28. April 2013) einen langen Essay über Vergangenheit und Gegenwart dieses alljährlichen Schaulaufens der "bemerkenswertesten" zehn Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Presseschau vom 27. April 2013 - Die taz interviewt Theatertreffen-Juror Franz Wille
Angst im Nacken
27. April 2013. Er sei 1981 nach Berlin gekommen, um Theaterwissenschaften und Germanistik zu studieren, sagt der 1960 in München geborene Theater-Heute-Chefredakteur und Theatertreffen-Juror Franz Wille im Gespräch mit Katrin Bettina Müller von der taz. "Bis dahin hatte ich vom Theatertreffen noch nie gehört, aber schon nach dem ersten Mal war ich absolut begeistert. Seitdem bin ich ein dankbarer Fan dieser Veranstaltung. Hier habe ich einen wichtigen Teil meiner Seherfahrungen gemacht."
Presseschau vom 20. April 2013 – Aachener Kulturpolitiker wollen Naziaufmärsche vor dem Theater verhindern
"Schon unangenehm"
20. April 2013. Wie die Aachener Nachrichten berichten, organisiert die Kulturpolitik der Stadt sich fraktionsübergreifend, um künftige Naziaufmärsche vor dem Aachener Theater zu verhindern. Vor einem knappen Monat hätten rund 80 Anhänger der neuen rechtsextremen Partei "Die Rechte" die Reichsflagge vor dem Aachener Theater geschwenkt. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Rechte vor dem Kulturhaus in der Innenstadt aufmarschierten. "Bereits im November 2009 und 2008 sogar an Heiligabend riefen sie dort ihre Hetzparolen." Die Polizei hätte immer wieder die Auflage erteilt, die Kundgebungen vor das Theater zu verlegen – und das mit Sicherheitsaspekten begründet.
Presseschau vom 14. April 2013 – Andrea Breth im Video-Interview mit 3sat.online über ihre Frankfurter Inszenierung "John Gabriel Borkman"
Grenzenloser Egoismus
14. April 2013. Gerade hatte in Frankfurt am Main Andrea Breths Inszenierung von John Gabriel BorkmanPremiere. Im Video-Interview mit 3sat.online, sagt sie, dass sie Ibsens Stück nicht vorrangig als Banker- und Krisenstück lese. "Ich bin ein Feind davon, dass man alles immer tagespolitisch sehen möchte." Das Stück sei ja "keine Erhellung, was das Problem der Wirtschaftskrise angeht."
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