medienschau
Unsere auswahl ist subjektiv
Presseschau vom 6. Juli 2011 – Bernd Stegemann analysiert in der Berliner Zeitung den Zustand des deutschen Stadttheaters
Die nächste Innovation
6. Juli 2011. "Erhaltet das Stadttheater!", ruft Bernd Stegemann, Chefdramaturg an der Berliner Schaubühne, in der Berliner Zeitung (6.7.2011). "Diente das Stadttheater von seinem Ursprung her der abendlichen Unterhaltung, die der bürgerlichen Selbstvergewisserung und Emanzipation aufhelfen sollte", schreibt Stegemann, "so wird es mit der Erfindung des Regisseurs im ausgehenden 19. Jahrhundert zu einer Manufaktur, die sich ganz den Intentionen desselben zu fügen hat."
Presseschau vom 6. Juli 2011 – Die taz erklärt die Bonner Sparvorhaben
Konzeptlos
6. Juli 2011. Klaus Weise, der Generalintendant in Bonn, will seinen Vertrag über die Spielzeit 2012/2013 hinaus nicht verlängern, aus Protest gegen die geplante Kürzung des Theateretats um 3,5 Millionen Euro (nachtkritik.de berichtete). Denn wo gespart werden solle, sei völlig unklar, nachdem die Stadt betriebsbedingte Kündigungen sowie die Schließung der Kammerspiele ausgeschlossen hat, schreibt Hans-Christoph Zimmermann (taz, 6.7.2011).
Presseschau vom 6. Juli 2011 – Die taz interviewt eine der Besetzerinnen am Teatro Valle in Rom
Von unten gewachsen
6. Juli 2011. Das renommierte Teatro Valle in Rom ist besetzt, nachtkritik.de berichtete letzte Woche darüber. Jetzt hat Tom Mustroph für die taz (6.7.2011) mit einer der Besetzerinnen gesprochen, die Maddalena heißt, als Künstlerin und Wissenschaftlerin in Rom arbeitet, ihren Nachnamen aber nicht nennen mag. "Wir sind ein Kollektiv", sagt sie.
Presseschau vom 5. Juli 2011 – Johan Simons über den Kulturhass in den Niederlanden
Ich bin überzeugt, es wird Unruhen geben
5. Juli 2011. Intellektuellen und Künstlern schlage in den Niederlanden im Augenblick regelrechter Hass entgegen, sagt Johan Simons in einem Interview mit Jenny Hoch auf Welt-Online. "Es herrscht ein Klima, in dem man besser nicht sagt, dass man Künstler ist oder über 100 Bücher gelesen hat. Dass ein Wilders über den Protestmarsch gegen die Kürzungen sagen kann, daran sähe man doch, dass Künstler nichtsnutzig seien, weil sie ja sonst gar keine Zeit zum Demonstrieren hätten, das ist sehr bedenklich." Der Rechtspopulist Geert Wilders hatte kürzlich die Kultur darüber hinaus als "linkes Hobby" bezeichnet.
Presseschau vom 4. Juli 2011 – Andreas Rossmann über die Sparpläne in Bonn und den erklärten Rückzug des Intendanten Klaus Weise
Doppelter Affront
4. Juli 2011. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (4.7.2011) äußert Andreas Rossmann Verständnis für den erklärten Rückzug des Bonner Intendanten Klaus Weise nach der Saison 2012/13: "Ein Intendant gibt auf. Nicht, weil er keinen Erfolg – die Platzausnutzung beträgt 78 Prozent – oder ein besseres Angebot hätte, sondern, weil er einsehen muss, dass die Stadtoberen das Theater bereits aufgegeben haben". Dieses solle mehr als die Hälfte im Bonner Kulturhaushalt insgesamt geplanten Kürzungen beitragen und habe noch dazu die Auflage, nur zeitlich befristete Stellen abzubauen sowie die Kammerspiele Bad Godesberg, deren Schließung 1,8 Millionen Euro einsparen würde, zu erhalten. Die meisten unter diesen Bedingungen kündbaren Stellen fallen in den künstlerischen Bereich, träfen also Sänger, Schauspieler, Dramaturgen, Chor-Mitglieder.
Presseschau vom 30. Juni 2011 – Helmut Schödel schreibt im Freitag über die neue Restauration in der Wiener Kultur
Als der Burgdirektor so berühmt wie der Bundeskanzler war
30. Juni 2011. Im Freitag (30.6.2011) erklärt Helmut Schödel lustvoll klagend, dass in Wien die Restauration herrsche: "Der Glanz verblasst. Die Profiteure obsiegen. Die Profiteure bestimmen." Vorbei die Zeiten als Ursula Pasterk das Kulturmagistrat leitete und keine Arbeitskreise brauchte, um Entscheidungen zu treffen. "Peymanns Pressekonferenzen und Hausmitteilungen sorgten ständig für Aufreger. Es war eine kurze, gute Zeit, in der Wien eine offene Stadt war."
Presseschau vom 30. Juni 2011 – Die taz beklagt die Theatertendenz zur Show
Monoperspektivische Sittlichkeit
30. Juni 2011. "Mehr Show" macht Alexander Haas in der tageszeitung bei der Programm-Lektüre des diesjährigen Impulse-Festivals aus: "Begonnen hat der Trend mit der Ausdifferenzierung des postdramatischen Theaters Ende der 90er Jahre und mit dokumentarischen Formaten, die im Anschluss entstanden. Mit den diesjährigen Impulse-Einladungen an Gruppen und Künstler wie das Hamburger Punk- und Performancekollektiv HGich.T oder die Eloctroclash-Musikerin und (seit einiger Zeit) Theatermacherin Peaches scheint sich die Entwicklung noch einmal zugespitzt zu haben."
Presseschau vom 29. Juni − Die taz über Komödien und ihre Autoren
Wie eine Wolke über den Figuren
In einem für taz-Verhältnisse sehr langen Artikel (28.6.2011) setzt sich Tobi Müller mit der Komödie, ihrer idealen Machart, den Komödienautoren und ein wenig auch mit der Langen Nacht der Autoren auseinander, die den Abschluss der Autorentheatertage am Deutschen Theater Belrin bildeten.
Presseschau vom 26. Juni 2011 – Claus Peymann klagt in der Berliner Morgenpost über die Diktatur des Nichtkönnens
Aussortiert wie Leichen
26. Juni 2011. "Ich glaube, ich bin gescheitert", bekennt Claus Peymann in einem Interview mit der Berliner Morgenpost. Denn eigentlich sei er 1999 nach Berlin gekommen, um den hier ansässigen Barbaren Nachhilfeunterricht in Sachen Theaterliebe zu geben. Umsonst! Stattdessen führe der Jugendwahn mittlerweile dazu, "dass die Alten einfach aussortiert werden wie Leichen. Dadurch hat sich eine Diktatur des Nichtkönnens verbreitet."
Presseschau vom 23. Juni 2011 – Die NZZ über Unzufriedenheit in der Freien Szene Zürichs
"Uns geht es überhaupt nicht gut"
Zürich, 23. Juni 2011. Freie Szene versus Stadttheater. Wenn es um die Mittelverteilung geht, fliegen bisweilen die Fetzen. So auch in Zürich, wo jetzt eine Gesprächsrunde zur Lage der Freien Szene mit dem obersten kommunalen Förderer Peter Haerle (Direktor für Kultur der Stadt Zürich) anberaumt wurde. "Uns geht es überhaupt nicht gut", ließ ein Vertreter der Szene wissen, berichtet Urs Bühler in der Neuen Züricher Zeitung (23.6.2011).
Presseschau vom 21. Juni 2011 – Kahlschlag in der niederländischen Kulturförderung
Sich der Störfaktoren entledigen
In der Frankfurter Rundschau (20.6.2011) schreibt Henning Bolte, die Kulturpolitik der gegenwärtigen rechten niederländischen Regierung verfahre nach dem Motto: Die Tüchtigen können sich selbst ins Trockene retten. Staatssekretär Halbe Zijlstra "weist den Weg in eine Zukunft", in der die Künste "nicht länger am Tropf staatlicher Subventionen hängen".
Presseschau vom 19. Juni 2011 – Die Welt am Sonntag über die Revolution des deutschen Stadttheatersystems
Die Herrschaft des weißen Mannes ist zu Ende
19. Juni 2011. "Was ist los an den deutschen Theatern? Revolution?" fragt Jenny Hoch auf Welt-Online. In München entführten Schauspieler mit holländischem Akzent in eine bierselige Alpengroteske, deren Autor türkischstämmig ist. In Köln lasse eine extrem erfolgreiche Intendantin ab 16.30 Uhr ihre Geschäfte ruhen, weil sie sich dann lieber um ihre Tochter kümmert. Und niemand spreche mehr über die großen Namen!
Presseschau vom 16. Juni 2011 – Die Süddeutsche Zeitung über die Bonner Sparpläne
Das nennt man Chuzpe
16. Juni 2011. Der kreative Exitus droht, schreibt Vasco Boenisch zur Causa Bonn in der Süddeutschen Zeitung. "Die Stadtverwaltung macht es sich leicht, legt eine abstrakte Sparvorgabe fest, vertagt aber die Entscheidung, wie das Geld zusammengekratzt werden soll." Dass man trotz eines Sparvolumens von 3,5 Millionen Euro allein beim Theater Bonn die Qualität halten wolle, sei "die übliche Rhetorik in solchen Fällen".
Presseschau vom 9. Juni 2011 – Stefan Fischer-Fels über seine Leitungsideen für das Grips Theater nach dem Generationswechsel
Neue Töne im Grips Theater
Berlin, 9. Juni 2011. Ein
Aus Anlass der Spielzeitvorschau befragt Christian Rakow in der Berliner Zeitung (9.6.2011) den neuen künstlerischen Leiter zu seinen konzeptionellen Grundideen. Einen "Insider-Blick" werde er sich nicht gönnen, sagt Fischer-Fels. In den letzten Jahren habe er "sehr unterschiedliches Theater kennen gelernt, auch Tanz und interaktive Formen. Damit will ich das Grips bereichern." Am Kern der Grips-Arbeit werde nicht gerüttelt, es gehe nach wie vor um "die realen Lebensbedingungen von Kindern" und darum, "zeitgenössische Wirklichkeit als veränderbar darzustellen." Aber demnächst würden jüngere Regisseure um die 30 diesen Kern überprüfen. "Schließlich gibt es eine Million Möglichkeiten, eine realistische Geschichte zu erzählen."
Den oft überzeichnenden, einer Kabarettästhetik verpflichteten Spielweisen des Grips sollen neue Töne hinzugefügt werden:
(dip)
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