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Unsere auswahl ist subjektiv

Presseschau vom 3. September 2011 - Der S.P.O.N-Blog von Spiegel-Online sucht nach der verlorenen Relevanz des Theaters

So etwas wie Wirklichkeit rekonstruieren

3. September 2011. Das waren noch Zeiten, als das Theater die Leute mit "smarter Sexyness" anzulocken verstand, trauert Georg Diez, Theaterkritiker a.D., im Spiegel-Online-Blog S.P.O.N. goldenen Zeiten nach, als das Theater als sozialer Ort noch relevant und interessant gewesen ist. "Das war es ja zum Beispiel in den neunziger Jahren bis etwa ins Jahr 2003, 2004 hinein. Das Theater hatte eine gute Energie, man musste schon hingehen, um nichts zu verpassen und um zu verstehen, was so gedacht wurde. Da gab es Pop und Verdrossenheit, Melancholie und Wahn, da wurden Intelligenz und Sinnlichkeit auf eine Art und Weise greifbar, wie es heute nur manchmal noch in der Kunstszene zu finden ist."

Presseschau vom 23. August 2011 – So viel Neues: Botho Strauß betrachtet in der FAZ die Veränderungen des Jahres 2011

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Von wegen Wut-Bürger

23. August 2011. In der FAZ meldet sich Botho Strauß heute im ganzseitigen Feuilleton-Aufmacher zu Wort, um zu sagen, dass das Volk bequem, verwöhnt, leicht reizbar sei. Die bürgerliche Gesellschaft pflege in der Krise hauptsächlich Affekte, Gefühle, Ratlosigkeiten. Dagegen helfe nur: wahre Aufklärung! Und eine Aufhebung des antikapitalistischen Affekts. Und eine andere Sprache der Politik.

Presseschau vom 22. August 2011 – Die Frankfurter Allgemeine stellt dem Berliner Festival Tanz im August ein verheerendes Zeugnis aus

Kinderkram

22. August 2011. In der Frankfurter Allgemeinen geht die Tanzkritikerin Wiebke Hüster  heute hart mit der jüngsten Ausgabe des Berliner Festivals Tanz im August ins Gericht, mit einem Festival also, für das sie selbst vor 20 Jahren gearbeitet hat. Seit einer Dekade werde das Festival "programmatisch heruntergewirtschaftet", nachdem es der Berliner freien Szene, "die lebendig war, aber nicht tanzen konnte", in den Jahren nach 1989 einen Professionalisierungsschub gegeben habe.

Presseschau vom 20. August 2011 – Die Saarbrücker Generalintendantin Dagmar Schlingmann im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung

Auf keinen Fall den eigenen Produktionen misstrauen

20. August 2011. "Der Druck, der auf den Theatern lastet, ist enorm," sagt Dagmar Schlingmann im Gespräch mit Oliver Schwammbach von der Saarbrücker Zeitung. Das sei nicht nur in Saarbrücken der Fall. Ihr sei es daher von Anfang an wichtig gewesen, dass ihr Haus nicht als "Sparbühne" wahrgenommen würde.

Presseschau vom 14. August 2011 – Schauspieler Jens Harzer in der FAS über seine Erfahrungen mit den Regisseuren Dieter Dorn, Thomas Ostermeier und Jürgen Gosch

Der Sprachversessene

14. August 2011. Anlässlich der Uraufführung von Peter Handkes neuem Stück "Immer noch Sturm" (hier die Nachtkritik) stellt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (14.8.2011) heute den Hauptdarsteller Jens Harzer in einem langen Interview mit Volker Corsten vor. "Mit seiner so nasalen Stimme und dem oft fiebrigen Blick hat der schlaksige Mann, dessen Spezialität seltsame Heilige sind, auf der Bühne immer etwas zutiefst Verunsicherndes", so der Vortext.

Presseschau vom 7. August 2011 – Matthias von Hartz auf Deutschlandradio zur Stadttheaterdebatte

Vom Stadttheater zum Künstlerhaus

7. August 2011. "Gemeinsam die Fantasie zu erwerben, dass Theater auch anders produziert werden kann, als das normalerweise im Moment im deutschen Stadttheater stattfindet", dazu fordert Matthias von Hartz heute Kulturpolitiker und Theatermacher auf, in einem siebeneinhalbminütigen Gespräch auf Deutschlandradio Kultur (7.8.2008, 10:08 Uhr). Umfassende Strukturreformen sollten die gegenwärtige Strategie ablösen, im bestehenden System so weit Einsparungen vorzunehmen, bis Häuser letztlich geschlossen würden. Von Hartz pointiert dabei Ideen, die er auf nachtkritik.de bereits ausführlich in einem Essay zur Zukunft des Stadttheaters dargelegt hat.

Presseschau vom 5. August 2011 – Jürgen Berger in der Süddeutschen Zeitung über die Verbindung zwischen Stadttheatern und Festivals

Der Tropf Stadttheater

5. August 2011. Eigentlich sind die Theater gerade in der Sommerpause, aber Festspiele gibt es dennoch reichlich und die speisen sich aus den deutschen Stadttheatern, so Jürgen Berger in einem Text in der Süddeutschen Zeitung. Dass die Premiere des achtstündigen Stemann-Faust bei den Salzburger Festspielen stattfand, sei auch so eine Sache "und wirft die Frage auf, wie diese Festspiele wohl dastünden, würde es das deutsche Stadttheatersystem nicht geben".

Presseschau vom 28. Juli 2011 – Matthias Langhoff in der Berliner Zeitung über Kultur und Politik in Frankreich

Mit dem Rücken zur Telegesellschaft

28. Juli 2011. Das Festival in Avignon sei "längst zum Verkaufsfestival geworden, wird ausschließlich für die Hotels und Restaurants gemacht", sagt Matthias Langhoff in einem Interview mit Astrid Kaminski für die Berliner Zeitung (28.7.2011). Ihn selbst, den großen, vor Jahren nach Frankreich ausgewanderten Uraufführungsregisseur für Heiner Müller und Thomas Brasch, zieht es inzwischen eher ins Nachbarstädtchen zum kleinen Festival Villeneuve-en-Scène.

Presseschau vom 21. Juli 2011 – Renate Klett berichtet in der taz über das Theaterfestival von Santarcangelo in der Emilia-Romana

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Auswegslose, unheimliche Welt

21. Juli 2011. Renate Klett berichtet in der taz vom Theaterfestival von Santarcangelo in der Emilia Romagna, das ein erstaunlich umfangreiches Programm, kuratiert von der Schauspielerin Ermanna Montanari, präsentierte; erstaunlich auch deshalb, "weil ihr ohnehin knappes Budget während der Vorbereitungszeit noch einmal drastisch gekürzt wurde".

Presseschau vom 14. Juli 2011 – Nicolas Stemann spricht im Interview mit der FR über seine neunstündige "Faust"-Inszenierung

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Mit dem Knie denken

14. Juli 2011. In zwei Wochen wird Nicolas Stemanns neunstündige Faust-Inszenierung in Salzburg Premiere haben, aber von Druck oder Aufregung keine Spur im Interview mit Peter Michalzik in der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung (14.7.2011). Er und die Schauspieler beschäftigen sich jetzt seit einem Jahr mit dem Stück. "Es gab zwei Arbeitsphasen à zwei Monate. Das ist nicht sehr viel bei zwei Stücken. Dass sich das über einen so langen Zeitraum erstreckt, kommt meiner Art zu arbeiten aber sehr entgegen", so Stemann.

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