medienschau

Unsere auswahl ist subjektiv

Presseschau vom 20. September 2011 – Die taz besucht das besetzte Teatro Valle in Rom

Größer als der Einzelne

Rom, 20. September 2011. Für die TAZ hat sich Tom Mustroph in Rom einen Eindruck von der Besetzung des Teatro Valle verschafft. Ein Theater, das vom Publikum angenommen wird, und viele Diskutanten in den umliegenden Cafés hat er erlebt. Die Pläne für das Theater hat ihm der Schauspieler David Sebasti genannt: "Wir wollen, dass es ein Nationaltheater wird." Es gehe den Aktivisten nicht um ihre Karriere, sondern um das Ganze: "Zum ersten Mal in meiner Schauspielerkarriere bin ich an etwas beteiligt, das größer ist als ich."

Presseschau vom 16. September 2011 – Die Berliner Zeitung über das Berliner Kulturprekariat

alt

Rasender Stillstand

16. September 2011. In der Berliner Zeitung wie der Frankfurter Rundschau blickt Hartmut Jähner in einem treffenden Essay auf Berlin vor der Wahl. Ein Wohlgefühl beherrsche die Stadt, wer auf Veränderung dränge wie CDU und Piraten, habe keine Chancen auf die Regierung.

Presseschau vom 16. September 2011 – Sebastian Hartmann wird seine Leipziger Intendanz nicht über 2013 hinaus verlängern

Arme Kulturstadt

16. September 2011. Nur wenige Medien kommentieren, dass Sebastian Hartmann seinen Vertrag als Intendant des Leipziger Centraltheaters nicht über das Jahr 2013 hinaus verlängern will.

Natürlich ist die Leipziger Volkszeitung (16.9.2011) dabei: "Man mag von Hartmanns Theater halten, was man will, aber eines steht fest", schreibt Nina May: "Miefiges Stadttheater hat er nie gemacht, mit überregionaler Ausstrahlung eine Marke geschaffen, die sich als Leipziger Handschrift in die Fachpresse einschrieb. Und es wird schwer werden, einen Nachfolger zu finden, der ähnlich viel wagt und schlüssig Visionen mit Stadttheater verbindet. Damit tat sich Hartmann schwer."

"In Leipzig siegt das provinzielle Denken über die Kunst", schreibt Torben Ibs im Leipzig Almanach (16.9.2011). "Sicher, nicht alles, was Intendant Hartmann und seine Kolleginnen und Kollegen in Centraltheater, Spinnwerk und Skala angefasst haben, wurde zu purem Gold. Aber was Hartmann geschafft hat, ist ein wenig frischen Wind ins Leipziger Kulturleben zu bringen." Während Hartmann dadurch kaum angeschlagen sei, stehe Leipzig kulturpolitisch vor einem Scherbenhaufen: "Die Stadt will europäische Kulturhauptstadt werden und schafft theaterästhetisch nicht einmal im Ansatz den Anschluss ans 21. Jahrhundert. Arme Kulturstadt."

Die Redakteure der Berliner Zeitung (16.9.2011), Ulrich Seidler und Dirk Pilz, nehmen das Ganze von der humoristischen Seite und lassen den Leser mit einem Dramolett an ihrer Unterhaltung über die Hartmann-Nachricht teilnehmen.

"Hartmann hat, indem er das Theater als sozialen Ort entwarf, Menschen dafür begeistert, die diesem bis dato ferngeblieben waren. Auch wenn im Einzelnen korrekturbedürftig, hätte man Sebastian Hartmann dabei gern noch länger zugesehen", kommentiert Tobias Prüwer im Freitag (22.9.2011) die Rücktrittsentscheidung von Sebastian Hartmann. Der Intendant sei schon vor Amtsantritt ein "kommunalpolitischer Spielball" gewesen. Dennoch konnte er Erfolge verzeichnen: Hartmann habe ein junges Publikum gewonnen und das Leipziger Haus "in die Bundesliga der deutschen Bühnen" geführt. Mit "Hartmann kam das Theater ins Gerede, aber inhaltlich stritt man nicht."

(geka)

Presseschau vom 14. September 2011 – Alexander Karschnia fordert die Besetzung aller Theater

alt

Besetzt die Theater jeder Stadt!

14. September 2011. Im Online-Magazin Berliner Gazette schreibt Alexander Karschnia, Gründungsmitglied der freien Gruppe andcompany&Co., über die brisante Lage der Kulturschaffenden in Italien und den Niederlanden. Er fasst noch einmal die Besetzung des Teatro Valle (die wir hier und hier schildern) zusammen, erläutert den Kultur- und politischen Sittenverfall im Nachbarland (hier von uns dargelegt) und verknüpft beides mit der Stadttheaterdebatte: "Alle freien Theaterschaffenden wissen: Das Stadttheater einer kleinen Provinzstadt hat ein größeres Budget als die gesamte sogenannte freie Szene in Deutschland. Erst in den letzten Jahren kam es zu zaghaften Schritten einer Annäherung zwischen freier Szene und dem System der Stadt- und Staatstheater." In den Niederlanden konnten freie Gruppen hingegen dank staatlicher Förderung und öffentlicher Würdigung "über einen langen Zeitraum arbeiten, manche seit über dreißig Jahren".

Presseschau vom 14. September 2011 – Die taz porträtiert Matthias von Hartz

Das Große und das Kleine

14. September 2011. In der tageszeitung porträtiert Simone Kaempf den Theatermacher Matthias von Hartz, der im Sommer mit seiner Forderung nach einem Modellhaus als Kreuzung zwischen Stadt- und Off-Theater ("anders strukturiert, anders organisiert") auch auf nachtkritik.de für Diskussion sorgte. Es sei kein Zufall, schreibt Kaempf, "dass er sich für diese Verschmelzung einsetzt. Als Regisseur hat er an Stadttheatern gearbeitet, als Festivalkurator kennt er die freie Szene gut. Seit 2007 leitet er das Internationale Sommerfestival auf Kampnagel und zusammen mit Tom Stromberg das 'Impulse'-Festival." Das Antwerpener Modell habe von Hartz in diesem Sommer eher nebenbei in die Diskussion geworfen.

Presseschau vom 7. September 2011 – Die OZ deckt Seilschaften rund ums Rostocker Theater auf

Rostocker Filz

Rostock, 7. September 2011. Die Querelen rund ums Rostocker Volkstheater nehmen kein Ende. Erst im Februar war das Haus mit der abrupten Schließung seiner Hauptspielstätte wegen Brandschutzmängeln in die Schlagzeilen geraten. Jetzt droht neues Ungemach wegen der Halle 207 auf dem Gelände der ehemaligen Neptunwerft. Die Halle wurde in den vergangenen Jahren unter dem Motto "Broadway in Rostock" als Spielstätte für den Sommerbetrieb genutzt, bestückt mit Konzerten, Musicals und Familienstücken.

Presseschau vom 3. September 2011 - Der S.P.O.N-Blog von Spiegel-Online sucht nach der verlorenen Relevanz des Theaters

So etwas wie Wirklichkeit rekonstruieren

3. September 2011. Das waren noch Zeiten, als das Theater die Leute mit "smarter Sexyness" anzulocken verstand, trauert Georg Diez, Theaterkritiker a.D., im Spiegel-Online-Blog S.P.O.N. goldenen Zeiten nach, als das Theater als sozialer Ort noch relevant und interessant gewesen ist. "Das war es ja zum Beispiel in den neunziger Jahren bis etwa ins Jahr 2003, 2004 hinein. Das Theater hatte eine gute Energie, man musste schon hingehen, um nichts zu verpassen und um zu verstehen, was so gedacht wurde. Da gab es Pop und Verdrossenheit, Melancholie und Wahn, da wurden Intelligenz und Sinnlichkeit auf eine Art und Weise greifbar, wie es heute nur manchmal noch in der Kunstszene zu finden ist."

Presseschau vom 23. August 2011 – So viel Neues: Botho Strauß betrachtet in der FAZ die Veränderungen des Jahres 2011

alt

Von wegen Wut-Bürger

23. August 2011. In der FAZ meldet sich Botho Strauß heute im ganzseitigen Feuilleton-Aufmacher zu Wort, um zu sagen, dass das Volk bequem, verwöhnt, leicht reizbar sei. Die bürgerliche Gesellschaft pflege in der Krise hauptsächlich Affekte, Gefühle, Ratlosigkeiten. Dagegen helfe nur: wahre Aufklärung! Und eine Aufhebung des antikapitalistischen Affekts. Und eine andere Sprache der Politik.

Presseschau vom 22. August 2011 – Die Frankfurter Allgemeine stellt dem Berliner Festival Tanz im August ein verheerendes Zeugnis aus

Kinderkram

22. August 2011. In der Frankfurter Allgemeinen geht die Tanzkritikerin Wiebke Hüster  heute hart mit der jüngsten Ausgabe des Berliner Festivals Tanz im August ins Gericht, mit einem Festival also, für das sie selbst vor 20 Jahren gearbeitet hat. Seit einer Dekade werde das Festival "programmatisch heruntergewirtschaftet", nachdem es der Berliner freien Szene, "die lebendig war, aber nicht tanzen konnte", in den Jahren nach 1989 einen Professionalisierungsschub gegeben habe.

Presseschau vom 20. August 2011 – Die Saarbrücker Generalintendantin Dagmar Schlingmann im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung

Auf keinen Fall den eigenen Produktionen misstrauen

20. August 2011. "Der Druck, der auf den Theatern lastet, ist enorm," sagt Dagmar Schlingmann im Gespräch mit Oliver Schwammbach von der Saarbrücker Zeitung. Das sei nicht nur in Saarbrücken der Fall. Ihr sei es daher von Anfang an wichtig gewesen, dass ihr Haus nicht als "Sparbühne" wahrgenommen würde.

Presseschau vom 14. August 2011 – Schauspieler Jens Harzer in der FAS über seine Erfahrungen mit den Regisseuren Dieter Dorn, Thomas Ostermeier und Jürgen Gosch

Der Sprachversessene

14. August 2011. Anlässlich der Uraufführung von Peter Handkes neuem Stück "Immer noch Sturm" (hier die Nachtkritik) stellt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (14.8.2011) heute den Hauptdarsteller Jens Harzer in einem langen Interview mit Volker Corsten vor. "Mit seiner so nasalen Stimme und dem oft fiebrigen Blick hat der schlaksige Mann, dessen Spezialität seltsame Heilige sind, auf der Bühne immer etwas zutiefst Verunsicherndes", so der Vortext.

Seite 91 von 100