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Intendanten protestieren gegen Umwidmung der Volksbühne

Tim Renner, lassen Sie die Abrissbirne im Schuppen!

Berlin, 20. April 2015. Joachim Lux, Ulrich Khuon und Martin Kušej haben einen Offenen Brief an den Berliner Staaatssekretär für Kultur Tim Renner geschrieben. Die Intendanten des Thalia Theaters Hamburg, des Deutschen Theaters Berlin sowie des Residenztheaters München protestieren gegen die geplante Umwidmung der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz zum "Produktionshaus".

Thomas Ostermeier droht mit Rückzug aus der Schaubühne

Ein Ade mit Schulterzucken?

Berlin, 18. April 2015. Thomas Ostermeier, Regisseur und künstlerischer Leiter der Berliner Schaubühne, hat ein klares Bekenntnis der Berliner Kulturpolitik zur Schaubühne gefordert. In einem Gespräch auf Deutschlandradio Kultur sagte er, zur derzeitigen Personaldebatte in Sachen Berliner Theater wolle er sich nicht äußern, doch müsse die "Kulturpolitik" klare Stellungnahmen zur Berliner Theaterlandschaft und zur Arbeit seiner Schaubühne abgeben: "Da erwarte ich von jedem Politiker, (...), dass sie einfach sagen: 'Wir finden es gut oder nicht."

Keine Neuauflage für Frank Castorfs Münchner "Baal"-Inszenierung

Unabänderlich radikale Interpretation

München, 17. April 2015. Frank Castorfs urheberrechtlich umstrittene Münchner Baal-Inszenierung nach Bertolt Brecht wird nach dem Gastspiel beim Berliner Theatertreffen am 17. Mai 2015 definitiv abgesetzt. In einem Vergleich mit den Brecht-Erben vor dem Landgericht München 1 waren der Inszenierung in ihrer aktuellen Form noch zwei Aufführungen gestattet worden. Es gab Überlegungen zur Umarbeitung des Abends. Sie erwiesen sich als nicht realisierbar, wie das Münchner Residenztheater heute mitteilt. Martin Kušej, Intendant des Münchner Residenztheaters, äußert sich zu dem Vorgang wie folgt:

Neubrandenburg stimmt dem Fusionsmodell für ein Staatstheater Nordost zu

Auf Fusionskurs

17. April 2015. Die Neubrandenburger Stadtvertretung hat am Vortag auf ihrer Sitzung den Fusionsplänen für ein "Staatstheater Nordost" zugestimmt. Das berichtet der NDR. Nach dem Kreistag der Mecklenburgischen Seenplatte nimmt damit der zweite Gesellschafter das Eckwertepapier des Schweriner Kultusministeriums an, das bis 2020 die Zusammenlegung der Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz (TOG) mit dem Theater Vorpommern (Stralsund/Greifswald) zum "Staatstheater Nordost" unter Landesbeteiligung vorsieht.

Kritik an Berliner Kulturfinanzierung

Geld, das der Kultur zusteht

Berlin, 17. April 2015. Der Berliner Rat für die Künste übt in einem Offenen Brief scharfe Kritik an Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD). Man sei "fassungslos" über die Äußerungen von Kollatz-Ahnen, die Kostensteigerung in der Staatsoper-Sanierung habe den Haushaltsspielraum für die Kultur "mehr als verbraucht". Bei einem Frühstück des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller hatte der Senator angedeutet, dass sich Spielräume für die Kultur durch die Einnahmen allenfalls noch aus der Citytax ergeben könnten, so hatte der rbb berichtet.

Living-Theatre-Gründerin Judith Malina gestorben

Die Mutter des Freien Theaters

11. April 2015. Die Schauspielerin und Regisseurin Judith Malina ist tot. Das berichtet die New York Times. Mit ihrem späteren Ehemann, dem Maler und Dichter Julian Beck gründete Malina 1947 in New York das Living Theatre. Das Living Theatre war wegbereitend für das postdramatische Theater und gilt als eine der Urzellen des nichtinstitutionellen, freien Theaters. Malina und Beck studierten u.a. am "Dramatic Workshop", der von Erwin Piscator 1940 in New York gegründeten legendären Schauspielschule, zu deren Absolventen u.a. auch Marlon Brando zählt.

Jürgen Bansemer & Ute Nyssen Dramatikerpreis für Constanze Behrends

Weddings Sittenkomödie

9. April 2015. Die in Berlin lebende Autorin, Co-Gründerin und künstlerische Leiterin des Berliner Prime Time Theaters, Constanze Behrends, erhält in diesem Jahr den Jürgen Bansemer & Ute Nyssen Dramatikerpreis. Die Auszeichnung an Behrends gelte insbesondere den Innovationen der Serie Gutes Wedding, schlechtes Wedding am Prime Time Theater, in der ein neu belebtes Volkstheater einem unvoreingenommenen Publikum ("Volk") seine eigene Sittenkomödie vor Augen führt. Behrends habe mit ungebremstem Sprachwitz und einem Mix von Figuren aus Comic, Soap und Kiez ein erzkomisches Poptheater kreiert, so die Pressemitteilung der Stifterin.

Berliner Humboldtforum: Neil MacGregor zum Gründungsintendanten berufen

Dreiköpfiges Gremium

8. April 2015. Neil MacGregor, seit 2002 Direktor des British Museum in London, ist zum Leiter der Gründungsintendanz für das Humboldtforum im rekonstruierten Berliner Schloss  berufen worden. Das teilte die Bundesregierung mit. Kulturstaatsministerin Monika Grütters habe den 68-Jährigen am heutigen Mittwoch offiziell berufen.

Negativpreis "Goldene Stechpalme" von "art but fair" verliehen

Im Stich gelassen

7. April 2015. Der Negativpreis "Goldene Stechpalme" für unfaire Arbeitsbedingungen im künstlerischen Bereich geht 2014 an den Musical-Unternehmer Michael Thinnes und seine inzwischen insolvente Firma "Miga Entertainment". Thinnes brach im vergangenen Jahr wiederholt seine Musical-Tour ab – nach der Insolvenz warten beteiligte Künstler wie auch Kartenkäufer*innen auf ihr Geld. Die Negativauszeichnung wird vom Verein "art but fair" vergeben, nachdem online 1.969 Unterzeichner aus den neun Nominierten gewählt hatten.

Düsseldorfer Schauspielhaus muss schon wieder saniert werden

Veraltete Lüftungs- und Heizungstechnik

6. April 2015. Dem Düsseldorfer Schauspielhaus steht eine erneute Großsanierung bevor. Das berichtet die Rheinische Post. Bereits 2011 waren Bühnentechnik und Großes Haus für rund 13 Millionen Euro saniert worden. Die Kosten für die neuerliche Sanierung werden auf 14 Millionen Euro geschätzt.

Theater-Flatrates an drei NRW-Theatern

"Maste of Arts für Umme"

6. April 2015. An einigen Theatern in NRW gibt es eine Theaterflatrate für Studierende. Das berichtet das WAZ-Portal Der Westen. Dem Bericht zufolge besteht in Bochum eine Kooperation zwischen dem Schauspielhaus Bochum und dem Asta der Ruhr-Universität Bochum. Alle Studierenden der RUB könnten, so der Der Westen, über eine Theaterflatrate Vorstellungen besuchen. Und das, so oft sie wollten.

Leitung des Rostocker Volkstheaters kommissarisch geregelt

Handlungsfähigkeit sichern

2. April 2015. Nach Sewan Latchinians fristloser Entlassung als künstlerischer Leiter des Rostocker Volkstheaters wird Geschäftsführer Stefan Rosinski aufgrund der unerwarteten Ereignisse kommissarisch die Gesamtverantwortung für das Haus übernehmen, das teilte er auf Anfrage mit. "Nun gilt es, gemeinsam mit den Mitarbeitern die Situation zu sondieren, um durch entsprechende Entscheidungen kurzfristig den Spielbetrieb zu sichern. Beabsichtigt ist es, einen Leiter Schauspiel zu berufen, vorerst bis zum Ende der Spielzeit", so Rosinski. Für weitreichendere Personal- und Sachentscheidungen müsse Zeit gewonnen werden, selbstverständlich seien diese mit dem Gesellschafter und dem Aufsichtsrat abzustimmen. Das betreffe auch die Frage der abschließenden Klärung zur Hausleitung.

Friedrich-Luft-Preis für Thorsten Lensings "Karamasow"

Überraschende Inszenierung

2. April 2015. Thorsten Lensings Inszenierung von Dostojewskis Karamasow erhält als "Beste Berliner und Potsdamer Aufführung des Jahres 2014" den Friedrich-Luft-Preis der Berliner Morgenpost.

Proteste gegen Entlassung des Rostocker Intendanten Latchinian

"Ahnungslosigkeit, Fahrlässigkeit und Ignoranz"

1. April 2015. Gegen die fristlose Entlassung des Rostocker Intendanten Sewan Latchinian am Vortag regt sich Protest. So melden sich die Intendanten Ulrich Khuon und Holger Schultze (beide Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins) in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Methling zu Wort: "Es ist offensichtlich, dass Sie durch dieses Manöver von der eigentlichen Problematik ablenken wollen: nämlich dass Sie eine katastrophale Zerstörung der Strukturen des Rostocker Theaters durchführen und ein Vierspartenhaus zum Zweispartenhaus amputieren. Dies ist für uns inakzeptabel."

Claus Peymann greift Berliner Kulturpolitiker Renner und Müller an

"Die größte Fehlbesetzung des Jahrzehnts"

Berlin, 1. April 2015. Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, hat einen Frontalangriff auf die Berliner Kulturpolitik gestartet. In einem Brief an den Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller (SPD) nennt Peymann den Kulturstaatssekretär Tim Renner "die größte Fehlbesetzung des Jahrzehnts". Hintergrund sind die Pläne zur Zukunft der Berliner Volksbühne und die Spekulation, Renner wolle den Chef der Tate Gallery Chris Dercon zum Nachfolger von Frank Castorf machen. "Das fände ich grundfalsch", so Peymann im Kulturradio des rbb. Man müsse sich besonderen Geschichte des Hauses bewusst sein. "Vernetzten Blödsinn gibt es schon genug, das ist ein Schauspielhaus mit grandioser Vergangenheit."

Russlands Theatern droht Zensur

"Genozid am russischen Theater"

Moskau, 1. April 2015. Nach der Entlassung des Intendanten der Staatsoper im russischen Nowosibirsk droht in Russland nun eine systematische Zensur der Theater. Magomedsalam Magomedow, stellvertretender Chef der Präsidialverwaltung, erklärte der Frankfurter Rundschau zufolge, in Zukunft müssten Experten die Aufführungen in den russischen Staatstheatern bewerten, um neue Konflikte zu vermeiden. "Vermutlich muss man das Repertoire an irgendeiner Stelle untersuchen." Wie die FR weiterhin berichtet, wehre sich zwar Kremlsprecher Dmitri Peskow gegen den Begriff "Zensur" – Intendant Boris Mezdritsch sei wegen "Subordination" entlassen worden. "Allerdings habe der Staat das Recht, von den schöpferischen Kollektiven, die er finanziere, korrekte Aufführungen zu erwarten", schreibt die FR und zitiert: "Wenigstens sollten sie keine so verschärfte öffentliche Reaktion hervorrufen."

Protokoll mit Verhaltensnormen – und Gesetzesstatus

Der kremlnahe Politologe Alexei Muchin bestätigte der FR gegenüber, dass Fachleute derzeit über ein "Protokoll" berieten, das regeln soll, wie sich Kulturschaffende, Staatsbeamte und die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen künftig verhalten sollten. "Die Staatsduma wird diesem Protokoll in den nächsten Monaten Gesetzesnorm verleihen", zitiert die Zeitung Muchin.

Zahlreiche angesehene Theaterregisseure, Schriftsteller und Musiker protestierten gegen Medritschs Entlassung und die Absetzung der Inszenierung. "Kulturschaffende und politische Beobachter befürchten, der Staat wolle Theater, Kino und Literatur ähnlich gleichschalten will zuvor die Medien. Oder gar wieder konfliktfreie Stoffe durchsetzen, wie im Sozialistischen Realismus der späten Stalinzeit", schreibt die FR. Der Regisseur Dmitri Tcherniakov, der in Berlin gerade Richard Wagners "Parsifal" inszenierte, spricht gar von einem "Genozid am russischen Theater".

(FR / geka)

 

Dmitry Tcherniakov

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