Presseschau vom 5. Juli 2011 – Johan Simons über den Kulturhass in den Niederlanden

Ich bin überzeugt, es wird Unruhen geben

5. Juli 2011. Intellektuellen und Künstlern schlage in den Niederlanden im Augenblick regelrechter Hass entgegen, sagt Johan Simons in einem Interview mit Jenny Hoch auf Welt-Online. "Es herrscht ein Klima, in dem man besser nicht sagt, dass man Künstler ist oder über 100 Bücher gelesen hat. Dass ein Wilders über den Protestmarsch gegen die Kürzungen sagen kann, daran sähe man doch, dass Künstler nichtsnutzig seien, weil sie ja sonst gar keine Zeit zum Demonstrieren hätten, das ist sehr bedenklich." Der Rechtspopulist Geert Wilders hatte kürzlich die Kultur darüber hinaus als "linkes Hobby" bezeichnet.

Presseschau vom 4. Juli 2011 - Andreas Rossmann über die Sparpläne in Bonn und den erklärten Rückzug des Intendanten Klaus Weise

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Doppelter Affront

4. Juli 2011. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (4.7.2011) äußert Andreas Rossmann Verständnis für den erklärten Rückzug des Bonner Intendanten Klaus Weise nach der Saison 2012/13: "Ein Intendant gibt auf. Nicht, weil er keinen Erfolg – die Platzausnutzung beträgt 78 Prozent – oder ein besseres Angebot hätte, sondern, weil er einsehen muss, dass die Stadtoberen das Theater bereits aufgegeben haben". Dieses solle mehr als die Hälfte im Bonner Kulturhaushalt insgesamt geplanten Kürzungen beitragen und habe noch dazu die Auflage, nur zeitlich befristete Stellen abzubauen sowie die Kammerspiele Bad Godesberg, deren Schließung 1,8 Millionen Euro einsparen würde, zu erhalten. Die meisten unter diesen Bedingungen kündbaren Stellen fallen in den künstlerischen Bereich, träfen also Sänger, Schauspieler, Dramaturgen, Chor-Mitglieder.

Presseschau vom 30. Juni 2011 - Helmut Schödel schreibt im Freitag über die neue Restauration in der Wiener Kultur

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Als der Burgdirektor so berühmt wie der Bundeskanzler war

30. Juni 2011. Im Freitag (30.6.2011) erklärt Helmut Schödel lustvoll klagend, dass in Wien die Restauration herrsche: "Der Glanz verblasst. Die Profiteure obsiegen. Die Profiteure bestimmen." Vorbei die Zeiten als Ursula Pasterk das Kulturmagistrat leitete und keine Arbeitskreise brauchte, um Entscheidungen zu treffen. "Peymanns Pressekonferenzen und Hausmitteilungen sorgten ständig für Aufreger. Es war eine kurze, gute Zeit, in der Wien eine offene Stadt war."

Presseschau vom 30. Juni 2011 - Die taz beklagt die Theatertendenz zur Show

Monoperspektivische Sittlichkeit

30. Juni 2011. "Mehr Show" macht Alexander Haas in der tageszeitung bei der Programm-Lektüre des diesjährigen Impulse-Festivals aus: "Begonnen hat der Trend mit der Ausdifferenzierung des postdramatischen Theaters Ende der 90er Jahre und mit dokumentarischen Formaten, die im Anschluss entstanden. Mit den diesjährigen Impulse-Einladungen an Gruppen und Künstler wie das Hamburger Punk- und Performancekollektiv HGich.T oder die Eloctroclash-Musikerin und (seit einiger Zeit) Theatermacherin Peaches scheint sich die Entwicklung noch einmal zugespitzt zu haben."

Presseschau vom 29. Juni − Die taz über Komödien und ihre Autoren

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Wie eine Wolke über den Figuren

In einem für taz-Verhältnisse sehr langen Artikel (28.6.2011) setzt sich Tobi Müller mit der Komödie, ihrer idealen Machart, den Komödienautoren und ein wenig auch mit der Langen Nacht der Autoren auseinander, die den Abschluss der Autorentheatertage am Deutschen Theater Belrin bildeten.

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