Wagnis Wirklichkeit

3. März 2021. Das Theater imitiert die Welt außerhalb der Bühne. Insbesondere realistische Verfahren arbeiten an einer möglichst glaubwürdigen Darstellung. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass sie nur wiederholen, wie Realität für gewöhnlich präsentiert wird, und so die Sicht auf das verstellen, was sie eigentlich zur Anschauung bringen wollen. Wolfram Lotz schreibt gegen diese Verfahren an. Für ihn ist Realismus keine Form der Darstellung, sondern meint ein "unbedingtes Interesse für die Wirklichkeit". Lotz' Stücke sind Expeditionen, sind Versuche, dieser Wirklichkeit möglichst nahezukommen. Und sei es dadurch, dass klar wird, wie wenig über sie mit Sicherheit zu sagen ist.


Zur Serie Neue Dramatik in zwölf Positionen:

Die Video-Gesprächsreihe widmet sich Autor*innen, die mit prägenden Arbeiten in der Gegenwartsdramatik in Erscheinung getreten sind. Jenseits ihrer szenischen Realisierungen stehen hier die Theatertexte selbst im Fokus. Exemplarische Schreibweisen werden diskursiv vorgestellt und im literarischen Feld wie auch in der gesellschaftlichen und politischen Diskussion verortet. Die Serie stellt das aktuelle Schaffen in seiner formalen wie inhaltlichen Bandbreite vor: von Ansätzen des Dokumentarischen über biografisch-realistische Dramatik bis hin zu Strategien der Aneignung von Wissens- und Populärkulturen. Jeden Monat erscheint eine neue Folge. Hier geht's zu Folge 1 mit Rebekka Kricheldorf.

Hier gibt es das Gespräch mit Wolfram Lotz als Podcast:

Eine Kooperation mit dem Literaturforum im Brecht-Haus, gefördert vom Deutschen Literaturfonds.

 
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Im Förder-Irrgarten

23. Februar 2021. Mitte Januar veröffentlichte Julischka Eichel ihren Offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters, in dem sie darlegte, dass freie Schauspieler*innen auch fast ein Jahr nach Beginn der Lockdowns von den Hilfsprogrammen noch immer nicht erreicht werden. Anfang Februar enthielt die Überbrückungshilfen III des Wirtschaftsministeriums dann eine "Neustarthilfe" für Soloselbständige, die auch unständig beschäftige Schauspieler*innen beantragen können. Hat Julischka Eichels Brief dazu beigetragen, diese Lücke in den Förderprogrammen zu schließen? Darüber spricht die Schauspielerin im Theaterpodcast #33 mit Susanne Burkhardt und Elena Philipp.

Mit einer URL in die digitale Zauberwelt

von Sophie Diesselhorst

12. Februar 2021. Unter dem Label minus.eins erforschen Nils Corte und Roman Senkl die Möglichkeiten von VR-Räumen fürs Theater. Sie entwickeln virtuelle Räume für Theaterarbeiten, Festivals und Konferenzen – zuletzt im Januar für den ersten Teil der Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft, der dieses Jahr auf Mozilla Hubs stattfand. Im schriftlich geführten Interview mit nachtkritik.de sprechen Nils Corte und Roman Senkl über die Potenziale von Plattformen wie Mozilla Hubs für das Theater. 

Warum? Darum!

von Georg Kasch

Berlin, 5. Februar 2021. Warum tun sie das? Warum outen sich im Jahr 2021 gemeinsam 185 deutschsprachige Schauspieler:innen als lesbisch, schwul, bisexuell, queer, nicht-binär und trans*? Ist das wirklich nötig, 30 Jahre nach Rosa von Praunheims Zwangsouting von Hape Kerkeling, 20 Jahre nach dem Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft, gut drei Jahre nach der Ehe für alle? In einer Zeit, in der sich in der freien Szene gefühlt jedes zweite Projekt als queer labelt, es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen lesbische und bisexuelle Tatort-Kommissar:innen gibt und auf Netflix kaum eine Serie ohne queeren Charakter?