20 Tonnen Großkunst

Berlin, 1. Mai 2018. Das 55. Berliner Theatertreffen wird am 4. Mai 2018 mit einer Produktion eröffnet, die schon im Vorfeld für einigen Gesprächsstoff sorgte – und das nicht nur aus künstlerischen Gründen. Um "Faust" in der Regie von Frank Castorf (produziert in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz) als Theatertreffen-Gastspiel realisieren zu können, mussten die veranstaltenden Berliner Festspiele Zusatzmittel bei der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa und bei der LOTTO-Stiftung Berlin beantragen, insgesamt 500.000 Euro. Anlass, um bei der Leiterin des Berliner Theatertreffens Yvonne Büdenhölzer (derzeit in Elternzeit) nachzufragen:

Raus aus der Komfortzone

von Jan Fischer

Hannover, 30. April 2018. Freies Theater wird ja immer interessant, wenn es sich etwas erlaubt, was in einem großen Haus nie funktionieren würde. Die Gewinnerproduktion der diesjährigen "Best Off"-Edition in Hannover zum Beispiel: "Welcome to the comfort zone" von der Gruppe xweiss wurde in drei Festivaltagen von gerade mal 40 Besuchern gesehen. Das ist weniger, als bei allen anderen Produktionen des Festivals für Freies Theater in einem Durchgang mit dabei sind.

Schulpakete auch für Theater

27. April 2018. Im Herbst 2016 begründeten der Dramaturg Harald Wolff und der Bühnen- und Kostümbildner Gregor Sturm im Zusammenhang mit dem Ensemble Netzwerk, der Dramaturgischen Gesellschaft und dem Bund der Szenografen die Aktion "40.000 Theatermitarbeiter*innen treffen ihre Abgeordneten" – als Aufforderung an Theaterleute, in einer breiten Informationskampagne Politiker*innen darüber aufzuklären, was Theater alles leisten und unter welchen Bedingungen sie es tun. Im Herbst 2017 ging die Aktion in eine zweite Runde – Zeit, einen der "informierten Abgeordneten" zu fragen, was er aus dem Zusammentreffen mit den Theaterleuten gelernt hat und was für Vorschläge er für die Verbesserung der Theaterarbeit hat. Sophie Diesselhorst hat den Essener SPD-Bundestagsabgeordneten Dirk Heidenblut in Berlin getroffen.

Kampf um Kontinuität

von Katrin Ullmann

Hamburg, 26. April 2018. "Elf Jahre Projektemacherei, elf Jahre in halbverlassenen Fußgängerzonen, elf Jahre schlecht bezahlt, elf Jahre zu wenig Schlaf. Wir haben keinen Bock mehr, wir hören auf mit der Projektemacherei, wir gründen jetzt ein Unternehmen." Das beschloss das Hamburger Performancekollektiv Geheimagentur und ging im April 2014 mit dem Unternehmen "Ein großes Unterfangen, von dem noch niemand genau weiß, was es sein soll" auf Kampnagel an die Börse. Die Zuschauer konnten Anteile zeichnen. War ihnen die Investition zu unsicher, konnten sie sich ihre Anteile auch am Aufführungsabend bar auszahlen lassen. Grundlage für die Show bildete Daniel Defoes "Essay upon Projects" von 1697. Der Autor von "Robinson Crusoe" hatte jahrelang versucht, mit Projekten über die Runden zu kommen.