Dekolonisiert die Bühnen / Decolonizing the Stage

von Azadeh Sharifi

When it is not over, it is not time to get over it

Sara Ahmed, Living a Feminist Life (1)

6. September 2018. Die von Mesut Özil ausgelöste Debatte um Rassismus hat in den Social-Media-Kanälen mit dem Hashtag #MeTwo hohe Wellen geschlagen, weil so viele People of Color und nicht-weiße Deutsche über ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus wie auch strukturellem Rassismus berichteten. Auch in der deutschen Theaterszene ist die heftige Auseinandersetzung um Rassismus und die Fortführung von kolonialen Bildern und Stereotypen nicht unbekannt. Es sei hier an die Blackfacing-Debatte und die jüngste Debatte um die Schwarzkopie von "Mittelreich" erinnert, die ähnliche Wellen geschlagen hat.

Die Räume werden enger

31. August 2018. 80 Prozent der Theaterbauten in Deutschland sind sanierungsbedürftig. Rollt auf die Kommunen und Länder eine "Sanierungswelle" zu? Undichte Dächer, veraltete Bühnentechnik, mangelnder Brandschutz, schlechte Energieeffizienz: die Liste der Mängel ist lang, der Handlungsdruck groß. Deutschlands Investitionsrückstau im Bereich öffentlicher Infrastruktur betrifft auch die Theater. Im Theaterpodcast #7 sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp über die planerischen Herausforderungen der Theatersanierungen und über die Rolle der Theater als Identifikationsort im Zentrum der Stadt.

Ins Wespennest gepiekst

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 31. August 2018. Es ist Wiesbaden Biennale, und alle schauen hin. Eigentlich undenkbar, in dieser als langweilig geltenden Stadt. Die Biennale ist hervorgegangen aus dem Festival "Neue Stücke aus Europa", mit seinem Amtsantritt hat der Intendant des Hessischen Staatstheaters Uwe Eric Laufenberg sie in die jungen Hände von Maria Magdalena Ludewig und Martin Hammer gelegt.

Schluss mit der dienenden Rolle

von Anna Opel

Berlin, 30. August 2018. Die Königin hat keinen Bock aufs Regieren. Dagmar Manzel nölt wie ein Teenager auf Handyentzug und berlinert, was das Zeug hält. Im Libretto zu den "Perlen der Cleopatra" aus dem Jahr 1923 von Julius Brammer und Alfred Grünwald steht die Genderwelt Kopf. Die Verehrer Silvius und Beladonis geben aufgeblasene Witzfiguren ab, nur Cleopatra und ihre Hofdame Charmian bieten sich qua komplexer Persönlichkeit zur Identifikation an. Und die Cleopatra ist eine Paraderolle für Manzel: komisch, pointensatt, alle Farben zwischen Verzweiflung und Lust. Die Schauspielerin ist der schlagende Beweis gegen das alte Vorurteil, Frauen hätten kein Talent zur Komik.