Edward II. - Münchner Volkstheater
Staat oder Schaumbad
Am Wiesnrand - Münchner Volkstheater
Kuscheln auf Bierbauch
von Sabine Leucht
München, 30. Januar 2020. Stefanie Sargnagel liebt den Grind. Dazu passt ein Parasit wie der Floh prächtig. Und auch eine Massenveranstaltung wie das Oktoberfest: die "Wiesn", wie die Bayern sagen. Dass es dort neben Bierzelten, Fahrgeschäften und dem berüchtigten Kotzhügel auch einen Flohzirkus gibt, mag einer der Gründe dafür sein, dass das erste Theaterstück der Wiener Autorin von Schauspieler*innen in Flohkostümen gespielt wird. Im Münchner Volkstheater purzeln, stehen, liegen und hüpfen Jan Meeno Jürgens, Jonathan Müller, Henriette Nagel, Pola Jane O'Mara und Nina Steils mit dünnen Beinen unter bucklig-ausladendem Lagenlook auf einem gigantischen nackten Bierbauch herum. Ein toller Bauch ist das, der von Kopf und Extremitäten befreit auf dem Rücken liegt und unter der Brust noch einmal mächtig gen Bühnenhimmel hin Fahrt aufnimmt. Liebevolle Hände haben das raumfüllende Trumm unter Anleitung der Bühnenbildnerin Sarah Sassen mit Pigmentflecken und einzelnen schwarzen Haarbüscheln geschmückt. Wenn man zwischen ihnen auf dem Höhepunkt des Bauches steht, hat man gemalte Bergesgipfel etwa auf Kopfhöhe hinter sich. Dieser Kotzhügel für Menschenflöhe ragt also praktisch bis in die Alpen. Und da gehört er auch hin an diesem durch und durch alpenländischen Abend.
Hedda Gabler - Münchner Volkstheater
Das Böse trägt gerne Barockperücke
von Maximilian Sippenauer
München, 27. September 2019. Wer ist Hedda Gabler? Diese skandinavisch spießbürgerliche Variante einer miesgelaunten Lady Macbeth. Eine kühl berechnende Agitatorin, die lebensfrustriert einen tödlichen Sadismus gegen die sie umschwänzelnden, männlichen Scheinkapazitäten kultiviert? Oder eine verzweifelte Reaktion auf ein patriarchalisches System, wo Frau nur trivial repräsentieren darf, als Hausdame und Sexspielzeug? Kaum eine Hedda Gabler, die heute ihre Ränke schmiedet, kommt ohne die Frage aus, ob Ibsen da jetzt eigentlich eine emanzipatorische Flutwelle in den sich erstmals lichtenden Fjord eines Geschlechterbewusstseins geschickt hat oder ob das doch nicht nur eine pathopsychologisierende, olle Chauvi-Nummer ist. Lucia Bihler aber stellt diese Frage erstmal hinten an und sagt: Hey, was ist das eigentlich für eine Groteske, diese Hedda Gabler?
Regie: Pınar Karabulut
Regie: Jessica Glause
Seite 1 von 3
meldungen >
- 17. April 2026 Kunststiftung Sachsen-Anhalt warnt vor nationalistischer Kulturpolitik
- 16. April 2026 Göttingen: Schauspielerin Thyra Uhde gestorben
- 16. April 2026 Salzburg: Ex-Festspielpräsident Heinrich Wiesmüller gestorben
- 16. April 2026 Konstanz: Intendantin Karin Becker verlängert
- 15. April 2026 Preisjurys der Mülheimer Theatertage 2026
- 13. April 2026 Chemnitz: Theater wehrt sich gegen Abschaffungspläne
neueste kommentare >
-
Nach dem Leben, Nürnberg Empfehlung
-
Die Quelle, Wien Claquere unterwegs
-
Leser*innenkritik Black Rider, SHL Flensburg
-
Burn, Baby, Burn!, Hannover Sagenhaft gut
-
Die Quelle, Wien Bitte weitermachen
-
Fräulein Else, Wien Danke!
-
Über die Notwendigkeit, ... , Wiesbaden Super Abend
-
Fräulein Else, Wien Phänomenal
-
Irgendetwas ist passiert, Berlin Lauwarm
-
Theaterpodcast Investigativtheater Aufklärung?




