I Did It My Way - Ruhrtriennale
La La Land in Sicht?
22. August 2025. Ivo Van Hove eröffnet auch seine zweite Ruhrtriennale mit einem singenden deutschen Schauspielstar: Besonders gut hat er aber daran getan, Lars Eidinger für sein Frank Sinatra-Musical die großartige Larissa Sirah Herden an die Seite zu stellen.
Von Max Florian Kühlem
"I Did It My Way" von Ivo van Hove eröffnet die Ruhrtriennale 2025 © Jan Versweyveld
22. August 2025. "Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk" heißt einer der meist zitierten Songtitel der Band Tocotronic, und eine Abwandlung davon könnte man in diesen Tagen dem Intendanten der Ruhrtriennale, Ivo Van Hove, entgegen rufen: Wir sind hier nicht am Broadway, Ivo! Dort nämlich hätte seine Uraufführung "I Did It My Way" durchaus gut hingepasst – allerdings mit einem anderen Hauptdarsteller (oder -sänger), zum Beispiel Ryan Gosling. Lars Eidinger hingegen kann ja wirklich vieles fabelhaft gut: neben dem Schauspiel auch noch museumsreife Smartphone-Fotografie und clubreifes DJing. Aber als Sänger ein Frank-Sinatra-Format ausfüllen und dabei auch noch Tanz-Choreographien ausführen, das ist vielleicht doch eine Nummer zu groß.
Der Kosmopolit Ivo Van Hove hat echte Broadway-Erfahrung und 2020 etwa eine "West Side Story" im Broadway Theatre inszeniert. Wenn in einer Szene von "I Did It My Way" die drei schwarzen Frauen auf die drei weißen Männer des Ensembles loswirbeln, dann meint man tatsächlich kurz die Jets und die Sharks um die Upper West Side New Yorks kämpfen zu sehen. Die Sache ist nur: Wir sind hier in der Jahrhunderthalle Bochum, wo Van Hove seine zweite Saison als Intendant und Regisseur der Ruhrtriennale startet. Er hat sein Publikum durchaus vorgewarnt und schon beim Antritt erklärt, dass er keine Grenze ziehen mag zwischen Pop und Hochkultur, zwischen Musical und Musiktheater. Also startet er schon zum zweiten Mal mit einem merkwürdigen, möglicherweise tatsächlich von ihm selbst ganz neu erfundenen Hybrid, der Popsong-Theatererzählung.
Lars (Eidinger) und Lary
Im vergangenen Jahr hatte dabei schon eine der größten deutschen Schauspielerinnen ein ähnliches Problem wie jetzt Lars Eidinger: Sandra Hüller mit dem Oscar-würdigen Schauspieltalent durfte sich auf der Bühne nur durch das Singen von PJ-Harvey-Songs und Tanz-Bewegungen ausdrücken. Für Eidinger sind es jetzt unter anderem die Songs von Frank Sinatras Konzeptalbum "Watertown", das von einer Trennung in der amerikanischen Provinz erzählt, aus der Perspektive des verlassenen Mannes. Von diesem Album ging Ivo Van Hove aus, erfand eine starke Frauenfigur dazu und fand für sie eine großartige Besetzung: die in Gelsenkirchen, also um die Ecke der Bochumer Jahrhunderthalle, geborene Larissa Sirah Herden alias Lary.
Ida Faho, Larissa Sirah Herden, Sylvie Sanou (v.l.n.r.) © Jan Versweyveld, Ruhrtriennale 2025
Die Buhrufe am Premierenabend gehen eindeutig in Richtung Regie, der Applaus für Publikumsliebling Lars Eidinger ist vielleicht etwas verhaltener als sonst, weil sein breiter deutscher Akzent in den bekannten Sinatra-Nummern doch manchmal unfreiwillig komisch wirkt und er, gerade wenn er auch noch Choreographien zu bewältigen hat, nicht immer alle Töne sauber trifft oder hält. Larissa Sirah Herden hingehen erntet Jubel. Sie ist nicht nur stimmlich eine Wucht. Für ihren Teil der Geschichte wählte Van Hove Songs der schwarzen Jazz-Ikone Nina Simone und selbst bei tausendmal gehörten Klassikern wie "Feeling Good" lässt Lary mit ihrer Interpretation aufhorchen. Da ist Kraft, da ist Tiefe, da sitzt jede Modulation. Und auch als Schauspielerin und Tänzerin kann sie überzeugen.
Endstation alter weißer Mann
Lars Eidinger wird als etwas larmoyanter verlassener Mann (für die Rolle kann er natürlich nichts) eins mit der großen, grauen Laterne oder den auf den Boden geklebten, spiegelnden Regenpfützen im Bühnenbild von Jan Versweyveld, in dem man auch gut "Endstation Sehnsucht" spielen könnte. Lary hingegen findet als Frau, die irgendwann "Goodbye" sagt und im Klischeebild ihren Koffer packt, zu Stärke, einer neuen Identität. Sie entdeckt die Geschichte ihrer schwarzen Schwestern und Brüder und in diesem Zwischenteil wird das Popmusiktheaterding vollends zur amerikanischen Erzählung: Da flimmern Bilder und Reden von Martin Luther King über die amerikanische Landhaus-Rückwand im Zentrum des Bühnenbilds, Lary singt "Why? (The King of Love is Dead)", rückt auf die Publikumstribünen vor und berührt mit berückendem Gesang und einer Mimik, die den Tränen nah scheint.
Marco Labellarte, Lars Eidinger, Samuel Planas (v.l.n.r.) © Jan Versweyveld, Ruhrtriennale 2025
Großartig sind auch die musikalischen Arrangements von Henry Hey: Vom Titel gebenden Klassiker "I Did It My Way" hat er zwei Versionen erarbeitet – wenn der verlassene Mann (also Eidinger) ihn allein singt, bleibt er in einer ungewissen Schwebe, ist allem Pathos und seiner Grandezza beraubt. Erst als beide Partner zumindest für diesen Moment wiedervereinigt auf der Bühne stehen, führt das Lied vom ganz eigenen Lebensweg wieder zu alt bekannter Größe und zum Bläserfinale. Man fragt sich nur, warum Henry Hey keine richtige Big Band zugestanden wurde. Für Streicher und andere instrumentale Elemente muss ein Hintergrundband mitlaufen.
Zwischen Tanztheater und Musicalartistik
Und dann sind da viele Choreographien von Serge Aimé Coulibaly, bei denen sich ein Satz aus dem neuen Buch von Max Goldt, "Aber?", in Erinnerung ruft: "Ich mag gern junge Leute, die gutgelaunt herumwetzen." Aber irgendwie sieht das weder nach richtigem Tanztheater, noch nach den artistischen Hochleistungen von Musical-Dance-Nummern aus. Nicht Fisch, nicht Fleisch könnte man an dieser Stelle konstatieren – und nicht jeder steht auf "Surf and Turf". Man geht also etwas unbefriedigt nach Hause und schaut erstmal nach, bei welchem Streamingdienst eigentlich gerade "La La Land" verfügbar ist.
I Did It My Way
von Frank Sinatra, Nina Simone, Ivo Van Hove, Henry Hey, Serge Aimé Coulibaly, Lars Eidinger, Larissa Sirah Herden.
Konzeption und Inszenierung: Ivo Van Hove, Musikalische Leitung, Arrangements: Henry Hey, Choreografie: Serge Aimé Coulibaly, Bühnenbild, Licht Design: Jan Versweyveld, Videodesign: Christopher Ash, Kostümbild: An D'Huys, Sounddesign: Erwin Sterk, Dramaturgische Beratung: Koen Tachelet.
Mit: Lars Eidinger, Larissa Sirah Herden. Choreographie performt von und kreiert mit: Ida Faho, Sylvie Sanou, Marco Labellarte, Samuel Planas.
Premiere am 21. August 2025
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause
Eine Produktion der Ruhrtriennale in Koproduktion mit Staatsoper Stuttgart und in Partnerschaft mit Faso Danse Theatre
www.ruhrtriennale.de
Kritikenrundschau
Dies ist "ein Theaterabend, der in keine Schublade passt. Das Stück, und man kann durchaus von einem Stück sprechen, ist kein Schauspiel, kein Musical, keine Operette und kein Jazzkonzert, aber von allem etwas. Es ist ein Bühnenbastard, eine dramaturgisch stimmig zusammengestellte Playlist und ein Trojanisches Zirkuspferd, das von vier Stars gezogen wird", berichtet Hubert Spiegel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (23.8.2025). Lars Eidinger "kämpft ein wenig zu verbissen um den Statuswechsel vom Multitalent zum Alleskönner", heißt es weiter, und Larissa Sirah Herden, "war vor dieser Uraufführung in Bochum noch kein Star. Jetzt ist sie einer."
"Man könnte sich das alles als Off-Broadway-Produktion vorstellen, gerade die Nummernrevue-Struktur folgt ja ganz bewusst amerikanischen Vorbildern", teilt Alexander Menden in der Süddeutschen Zeitung (23.8.2025) mit. Und hebt vor allem Larissa Sirah Herden hervor, die "sängerisch das große Highlight dieses Abends" sei, während Lars Eidinger "kein Sänger", ein Tänzer "schon eher, aber eigentlich auch nicht" sei, dafür "ein Performer allererster Güte". Wer als Zuschauer*in "ein paar aufrichtig gespielte Momente, wer ein bisschen Sex und Wut und Abschiedsschmerz erleben möchte, der wird hier von allen Beteiligten sehr gut bedient."
Ein "überaus leeres Versprechen" auf "Neues Musiktheater" ist dieser Abend für Lars von der Gönna von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (23.8.2025). Ivo van Hove "scheitert mit der Idee einer sich allein aus der Musik entwickelnden Elegie verfehlter Lebensentwürfe und gescheiterter Träume“. Und Lars Eidinger "scheitert als Sänger, dass einen Mitleid ereilt".
"Nicht gerade eine Traumrolle für den flamboyanten Eidinger, als Trauerkloß herumzulungern", winkt Regine Müller im Kölner Stadt-Anzeiger (23.8.2025) ab und identifiziert als "Plan des Regisseurs, den weißen Mann alt aussehen zu lassen neben der sich empowernden Frau". (Regine Müller berichtet auch in der taz vom 25.8.2025 über den Abend, hier online nachzulesen.)
Für die Rheinische Post (23.8.2025) berichtet Lothar Schröder: "Es wäre reichlich vermessen zu behaupten, dass diese Inszenierung neue Erkenntnisse und Einsichten, vielleicht auch nur Fragen zum Stoff liefern würde. Zumal sich mit den fast 30 Liedern – unter anderem aus Sinatras ambitioniertem Konzeptalbum 'Watertown' – nur schwer so etwas wie ein Handlungsverlauf ablesen lässt. Auch die oft freien Tanzszenen gemeinsam mit vier jungen Tänzerinnen und Tänzern sind mehr um künstlerischen Ausdruck als um die Darstellung einer Situation bemüht. Der zumindest scheinbar grundlose Abschied der jungen schwarzen Frau von ihrem weißen Mann und den zwei gemeinsamen Teenager-Kindern bleibt vage."
"Wer den Ausnahmeschauspieler" Lars Eidinger "unter Volldampf erleben möchte, muss dafür wohl nach Berlin fahren. In der Jahrhunderthalle bleibt er sichtlich unter seinen Möglichkeiten und singt die ewig schönen Songs von Frank Sinatra dermaßen schief, dass es gelegentlich frösteln lässt." So berichtet Sven Westernströer für die Lokalseite der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (23.8.2025). "Immerhin: Seine Spielpartnerin, die in Gelsenkirchen geborene Sängerin Larissa Sirah Herden, ist eine echte Entdeckung – und was die Bigband, die leider sehr weit entfernt vom Publikum aufgestellt wird, alles abliefert, begeistert immer wieder."
"Mit der Auswahl und Zusammenstellung der Songs hat Ivo Van Hove einen so effektvollen wie nachdenklich stimmenden Theaterabend geschaffen, der allerdings choreografisch und im Gesang des Protagonisten Schwächen hat", schreibt Harald Suerland in den Ruhr Nachrichten (23.8.2025).
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ich möchte deine Kritik gern um eine andere Perspektive ergänzen. Für mich war diese Inszenierung überaus bewegend, nicht in dem Sinne von „perfekt“ oder „broadwaytauglich“, sondern gerade in ihrer Gesamtheit, in der ungeschönten Menschlichkeit. Ist wirklich entscheidend, ob Lars Eidinger ein brillanter Sänger im Sinatra-Format ist? Gerade seine Brüche, seine Art, das Nicht-Perfekte zu verkörpern, haben den Effekt für mich verstärkt. Kunst darf doch mehr sein als makelloses Entertainment.
Besonders in Erinnerung bleibt mir die Szene, in der das Lied über die „seltsamen Früchte am Baum“ leise einsetzt, während eine Fotoprojektion zunächst ein einzelnes Männergesicht zeigt und sich dann schockierend erweitert: eine Menschenmeute, Füße herabhängend vom Baum, zwei Schwarze, gelyncht in den 1930ern, umgeben von einer jubelnden Menge. Ich war zutiefst erschüttert. Gleichzeitig wurde mir unmittelbar bewusst, wie aktuell diese Entmenschlichung noch immer ist, wenn heute etwa ein kenterndes Flüchtlingsboot hämisch kommentiert wird.
In diesem Moment habe ich verstanden, worum es hier wirklich geht: nicht um technische Perfektion oder musikalische Makellosigkeit, sondern um das Gefühl, die Wucht der Botschaft, die uns erschüttert, sensibilisiert und vielleicht ein Stück menschenfreundlicher macht.
Für mich haben alle Beteiligten damit alles richtig gemacht. Ich will fühlen, nicht nur eine Show sehen. Und gerade deshalb war dieser Abend für mich unvergesslich. Larys Stimme unbeschreiblich schön, sanft, anklagend, ergreifend. Mich wird das Erlebte lange begleiten.
Lars Eidinger, hat man in der Rolle des „man“ in „I Did It My Way“ von Ivo van Hove , im Rahmen der Ruhrtriennale, meiner Meinung nach degradiert.
Alles was er so gut kann, was wir, das Publikum so lieben an Lars Eidinger, konnte er in dieser Rolle nicht zeigen- sie bot ihm keinerlei Möglichkeit. Ich war enttäuscht .
Die ganze Inszenierung mit der wirklich guten Larissa Sirah Herden , den weiteren Tänzern und Musikern plus einem Musicalsänger in der Hauptrolle, aufgeführt im MIR (Musiktheater im Revier) hätte wunderbar gepasst.
vielen Dank für die schmeichelhaften Worte zu meiner Arbeit als Arrangeur und Orchestrator für I Did It My Way.
Ich möchte jedoch gerne ein paar Dinge richtigstellen und zugleich etwas zu meinen bewusst getroffenen musikalischen Entscheidungen sagen.
Die gesamte Musik, die Sie gehört haben, wurde von zehn Musiker:innen live – also in Echtzeit – gespielt. Es gab keine vorab aufgenommenen Spuren, und auch kein einziges Instrument war an ein Click-Track-System gebunden. Wir haben die Musik so gespielt, wie sie auch auf den Originalaufnahmen entstanden ist – organisch.
Die Streicher, die Sie hörten, wurden in Echtzeit von meinem zweiten Keyboarder über hochwertige Streicher-Samples eines Kammerorchesters mit Vibrato gespielt. Diese habe ich gezielt ausgewählt, um den Klang der mehr als 30-köpfigen Orchester jener Zeit nachzuahmen, die in den legendären 30th Street Studios in New York City aufgenommen wurden.
Sie fragten, warum wir kein Bigband- oder Orchester-Ensemble eingesetzt haben. Dafür wären etwa 45 Musiker:innen nötig gewesen, um die Klänge des Albums detailgetreu wiederzugeben. Das wäre nicht nur finanziell untragbar gewesen, sondern hätte das Stück zudem von einem Theaterereignis – bei dem die Geschichte und die Emotionen im Vordergrund stehen – in ein reines Musik-Konzert verwandelt. Das war schlicht nicht möglich.
Deshalb haben wir uns für ein flexibles Ensemble entschieden: fünf Bläser, eine klassische vierköpfige Rhythmusgruppe sowie einige sorgfältig ausgewählte Streicher-Sounds und andere Klangfarben über ein zweites Keyboard.
Die einzigen Elemente, die man auch nur entfernt mit „vorproduziert“ vergleichen könnte, waren die Backing Vocals – eingesungen von mir und meiner wunderbaren Kollegin Lucy Woodward. Sie hat außerdem eng mit Lars Eidinger und Larissa Herden zusammengearbeitet, um passende Tonarten für die Songs zu finden und stilistische Anpassungen vorzunehmen. Diese Vocal-Aufnahmen wurden übrigens ebenfalls in Echtzeit von meinem zweiten Keyboarder abgespielt – Note für Note.
Dieses Werk ist eine Geschichte – ein Kunstwerk. Es war nie als traditionelles Konzert gedacht, und ebenso wenig als klassisches Musical.
Mit besten Grüßen
Henry Hey
Arrangeur / Orchestrator / Musikalischer Leiter – I Did It My Way
An alle die mit einer anderen Erwartung gekommen : Wenn man sich vorher damit beschäftigt hätte, dann wäre man nicht enttäuscht gewesen.
Das Herr Eidinger nicht wirklich singen kann sollte jedem bewußt sein, aber darum ging es ja nicht. Wer das nicht verstanden hat, der hat halt Pech gehabt.
Ich fand es sehr mutig und ich habe ,ich bestens unterhalten gefühlt.
Vielen Dank an alle Beteiligten.
Michael Thomas
Standing Ovations. Dass der Funke ins Publikum übergesprungen ist, ist eindeutig .
Viele Zuschauer nehmen anschließend an der Nachbesprechung teil, die Begeisterung ist immer noch spürbar.
Es war ein für mich ein wunderbarer und eindrucksvoller Abend! Herzlichen Dank an alle Mitwirkenden insbesondere an den von mir sehr verehrten Lars Eidinger! He did it his way! ( Danke für die Nudel)
.
Vor allem aber stört mich das undifferenzierte Eindreschen auf Lars Eidinger, wie zum Beispiel in der FAZ, in welcher sich der neue Kulturredakteur für NRW Hubert Spiegel, sich gar erdreistet von einem angeleimten Mehlsack zu sprechen.Da wünsche ich mir doch eine etwas sensiblere Ausdrucksweise, denn das ist unverschämt und echt zum fremdschämen.
Es wird ja nicht besser, wenn man bei der Einführung schon gewarnt wird, dass Herr Eidinger nicht besonders singen kann, aber schauspielern! Freilich ging es hier ums Singen, und man hört rasch, dass er wirklich nicht singen kann: über die Aussprache hier nichts. Das weiß offensichtlich auch der Dirigent, weshalb er das Orchester so laut spielen lässt, dass man manchmal Eidinger nicht mehr hört. Der Preis dafür ist, man hat hinterher einen Druck auf den Ohren wie sonst nur nach einer Gondelbahnfahrt.
Frau Herden ist um Längen besser, weshalb man wohl zum Schluss vermied, dass die beiden sich den Applaus – oder auch nicht – einzeln abholten, hätte blamabel werden können.
Das Bühnenbild ist einfallslos, die große Bühne wird gefüllt, in dem Sänger und Tänzer darauf herum rennen oder »tanzen«. Der Tanz erinnert etwas an eine Zombie-Apokalypse, es gibt ein Raufen, Rennen, Zittern, Werfen, Verrenken usw. Einen Zusammenhang außer eben dem, etwas Spektakel zu machen, erkennen wir nicht.
Mit den Untertiteln ist es auch so eine Sache, mal auf Deutsch und Englisch, mal nur auf Englisch, mal nichts, und gegen Ende, wenn der Scheinwerfer es so will, sieht man auch nichts mehr.
Warum der Intendant der Oper am Schluss mit auf die Bühne geholt wird: ein Rätsel, nächstes Mal wird vermutlich auch Herr Kretschmann als sein oberster Vorgesetzter mit dabei sein. Das wird ein Fest!
Wir sind sprachlos. Wie ist so etwas möglich? Welches Armutszeugnis für die Jubelpresse, für die Verantwortlichen, die vermutlich alle an einem kollektiven Hörsturz leiden?
Die spannende Frage aber ist, warum applaudiert das Publikum? Hören die nichts, sehen die nichts? Warum fragt es nicht nach dem Sinn der Bilder?
Ich kann mir das nur so erklären: Wenn man Hoch- und populäre Kultur mischt, die FreundInnen der Hochkultur ihre Ästhetik lieber vergessen und die anderen schauen ehrfürchtig nach oben. Das geht meistens schief oder endet schrecklich wie in diesem Falle.
Wenn diese Produktion ein Argument für die Opernsanierung sein soll, schlage ich doch vor, diese uns eher zu ersparen, und sicher ist im Theaterhaus noch Platz...
Orchestrierung David Menke, Boris Rogowski.
Die Frage: in Stuttgart war etwas anderes zu hören als in Bochum?
Es war die ganze Zeit gleich laut, und laut, was die Schwierigkeit ausmachte: alles klang gleich, Herden und Eidinger klangen über weite Strecken monoton. Und das Problem ist ja: gelingt es beim Zuschauen / Zuhören die Stimmen von Frank Sinatra und Nina Simone zu „vergessen“? Versuchen eine„Handlung“ zu entdecken, oder eine Nummernrevue anschauen? Mir gelang (am Sonntag) keine von diesen … Aber der Ansatz zu dieser „Creation“ ist ja nicht verkehrt …