Presseschau vom 12. Januar 2012 - Regisseur Sebastian Baumgarten spricht in der Berliner Morgenpost über das Dschungelcamp

Lustgewinn für viele 

12. Januar 2012. In einem launigen Interview mit Matthias Wulff, Kulturchef der Berliner Morgenpost, outet sich Regisseur Sebastian Baumgarten als "Dschungelcamp"-Gucker. Das TV-Format vergleicht er mit der Theaterform der Groteske: "Was wir sehen, ist dadaistisch, die Dialoge sind sinnlos. Die Sprache an sich funktioniert ja und hat eine Logik, Syntax und Grammatik, man bekommt auch Informationen, Beschreibungen, Interpretationen. Aber 'es wird kommuniziert', wie Jean Baudrillard es gesagt hat."

Presseschau vom 29. Dezember 2011 - Interview mit Andrea Breth in der Zeit

Es wird nicht mehr lange gut gehen

Für die Zeit (29.12.2011) hat Peter Kümmel ein langes Interview mit Andrea Breth geführt, die in Düsseldorf derzeit das "gigantisch gut geschriebene Stück""Marija" von Isaak Babel inszeniert. Ausgehend von der Frage, ob das Stück, das im russischen Bürgerkrieg von 1920 spielt, von unserer Zukunft handele, dreht sich das Gespräch nicht nur um Theater, sondern auch um Breths Wahrnehmung unserer Gesellschaft: "Marija" seit "deutlich ein Stück über die Zeit von 1920. Und dennoch hat es mit uns heute zu tun: Ich habe so ein merkwürdiges Gefühl bezüglich der Zeit, in der wir leben. Ich glaube, es wird nicht mehr lange so gut gehen. (...) Wenn Sie den Fernseher anschalten, sehen Sie, dass die Menschen überall in großer Zahl protestieren." Dabei möchte sie "keine Revolution in diesem Land erleben; ich möchte uns nicht erleben in einer solchen Notlage". Zwar seien die Deutschen "diesbezüglich immer ein bisschen zurückhaltender als andere Völker" gewesen. "Aber dass sich da was zusammenbraut, dessen bin ich mir ziemlich sicher. (...) Wenn das Geld weg ist, verändert sich der Mensch schlagartig. Ich fürchte, dass wir alle dann nicht mehr für unsere Humanität garantieren könnten. (...) Wenn ich nichts zu fressen habe, bleibe ich nicht zu Hause sitzen und warte, dass die Zeiten wieder besser werden." Beängstigend findet sie außerdem, dass wir alle die "Chipkartendespotie" (Kümmel) freiwillig mitmachen: "Wir geben unsere Kreditkarten überallhin. Und begeben uns in die Hand einer Macht, von der wir nicht wissen, in welche Richtung die umschlagen wird." Davor könne man sich auch nirgendwo mehr hin zurückziehen: "Die Orte des Rückzugs haben wir abgeschafft".

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